Weitgehende Einigkeit herrscht immerhin über Folgendes: Um als intelligent gelten zu können, muss jemand oder etwas die Fähigkeit haben, viele unterschiedliche und besonders auch neue Probleme zu lösen. Hierfür braucht es Wissenstransfer, Kreativität und die Begabung, aus Fehlern zu lernen. Zum anderen wird die Fähigkeit benötigt, abstrakt zu denken sowie Begriffe und Zusammenhänge zu verstehen. Dabei kommt es in hohem Maße auf den Einsatz von logischem Denken und Urteilsvermögen an.
Besonders schwierig ist es dabei jedoch, zwischen Wissen und Intelligenz zu unterscheiden, wie das Gedankenexperiment „Chinesisches Zimmer“ des Philosophen John Searle veranschaulicht: Stellen Sie sich vor, wir befänden uns in einem abgeschlossenen Zimmer, in das von außen jemand Zettel mit chinesischen Schriftzeichen durch den Türschlitz schiebt. Zwar sind wir der chinesischen Sprache nicht mächtig, jedoch befindet sich in dem Raum ein dickes Buch mit Instruktionen, die es uns erlauben, auf die Nachrichten passende Antworten in chinesischer Sprache zu verfassen. Wenn wir diese an die Person draußen zurückschicken, könnte sie denken, dass wir Chinesisch verstehen – obwohl wir keinen Schimmer haben, worum es in den Nachrichten geht.
Durch das Buch verfügen wir in unserem Zimmer zweifellos über Wissen, aber unsere Handlungen sind nicht intelligent. Schließlich können wir nur Probleme bearbeiten, die in dem Buch bereits für uns gelöst wurden. Bei neuen Problemen sind wir jedoch aufgeschmissen. Für einen Außenstehenden lässt sich der Unterschied zwischen Wissen und Intelligenz allerdings kaum erkennen.
Genauso verhält es sich letztlich auch bei der KI. Interessant ist zudem die Frage, ob wir es merken würden, wenn sich eine Super-KI, die uns in allen Belangen überlegen ist, absichtlich dumm stellen würde, damit wir sie nicht abschalten. Denn wie der Informatiker Paul Graham kürzlich im Bezug auf KI schrieb: „Nur wenige Dinge sind schwieriger vorherzusagen als die Wege, auf denen jemand, der viel klüger ist als man selbst, einen überlisten könnte.“
Wie können wir also herausfinden, ob KI intelligent ist? Das Naheliegendste wäre, die KI einen Intelligenztest machen zu lassen und ihren Intelligenzquotienten (IQ) zu bestimmen. Das gestaltet sich in der Praxis jedoch gar nicht so einfach. Denn aktuelle IQ-Tests für Menschen messen unter anderem Dinge wie Arbeitsgeschwindigkeit und Gedächtnisleistung: Disziplinen also, in denen selbst ein dummer Computer den Menschen leicht übertreffen kann. Wobei fragwürdig ist, warum solche Dinge überhaupt Teil von Intelligenztests geworden sind: Natürlich sind schnelles Denken und ein gutes Gedächtnis wichtig für die kognitiven Funktionen und daher mit Intelligenz korreliert. Aber sind sie wirklich ein Zeichen von Intelligenz?





