Hüttengaudi, Aprés-Ski-Parties und reichlich Alkohol: Für viele Besucher des österreichischen Skiorts Ischgl gehörte dies auch in diesem Frühjahr zum Skiurlaub dazu. Wegen seiner guten Pisten und beliebten Feiern reisen jedes Jahr Skitouristen aus aller Welt in diesen Alpenort. Doch in diesem Jahr hatte dies fatale Folgen. Weil mindestens ein Angestellter einer der beliebtesten Bars mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert war und dies zunächst unerkannt blieb, breitete sich die Infektion rasend schnell unter Mitarbeitern, Partygästen und Einwohnern aus. Als Folge trugen viele aus dem Skiurlaub zurückkehrende Reisende das Virus in ihre Heimatorte und -länder ein. Viele der ersten Ausbruchs-Hotspots in europäischen Ländern gehen daher auf Ischgl als zentralen Infektionsherd zurück. In Deutschland könnten sogar 48 Prozent der Covid-19-Fälle dadurch verursacht worden sein, wie eine im Mai veröffentliche Studie ergeben hat.
Antikörpertests bei 79 Prozent der Bevölkerung
Seither ist strittig, wie früh die örtlichen Gesundheitsbehörden Bescheid wussten und ob sie die Quarantäne-Maßnahmen für Ischgl zu spät angeordnet haben. Obwohl einige ausländische Gesundheitsbehörden den Ort schon Anfang März zum Risikogebiet erklärten und die erste Diagnose am 5. März erfolgt sein soll, wurde Ischgl erst gut eine Woche später abgeriegelt. Zurzeit laufen daher mehrere Anzeigen gegen das Land Tirol. Unklar war jedoch bislang, wie stark das Coronavirus sich bis zum Beginn des Lockdowns schon in der Bevölkerung des Skiorts ausgebreitet hatte. Um das zu klären, hat ein Forscherteam unter Leitung der Virologin Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität Innsbruck Ende April 1473 Bewohner aus 479 Haushalten der Tiroler Gemeinde Ischgl auf eine Infektion getestet – dies entspricht etwa 79 Prozent der Bevölkerung.
Zum Einsatz kamen dabei zum einen PCR-Tests, die eine akute Infektion über die Präsenz viralen Erbguts in Abstrichen detektieren, zum anderen aber Antikörpertests, mit denen sich auch eine bereits überstandene Infektion nachweisen lässt. “Um die Sars-CoV-2 spezifischen Immunglobuline IgA und IgG im Blut nachweisen zu können, haben wir ein dreistufiges Verfahren mit maximaler Sensitivität und praktisch 100 Prozent Spezifität etabliert”, beschreibt von Laer die Teststrategie. Die Sensitivität eines diagnostischen Testverfahrens gibt an, mit welcher Zuverlässigkeit erkrankte Patienten erkannt werden. Die Spezifität verrät, wie verlässlich der Test gesunde Probanden auch als gesund einstuft – also wie gering der Anteil falsch positiver Ergebnisse ist. Ergänzend wurden alle Teilnehmenden dazu befragt, ob sie Symptome hatten und welche und wie sich ihre Krankheit entwickelte.





