Irrtum 8
Salz lässt den Blutdruck steigen
Das stimmt nicht für alle Menschen. Lediglich 10 bis 15 Prozent der Menschen mit normalem Blutdruck sind salzsensitiv. Das heißt: Bei stark salzhaltiger Ernährung steigt ihr Blutdruck an. Nicht-Salzsensitive scheiden ein Zuviel an Natriumchlorid dagegen einfach über die Nieren aus. 40 bis 50 Prozent der Bluthochdruckpatienten gehören zu den sogenannten Respondern: Eine salzarme Diät kann ihren Blutdruck um 10 Prozent senken.
Ob jemand salzsensitiv ist oder nicht, hängt von seiner Gen-Ausstattung ab. Doch es ist schwierig, Salzsensitive aufzuspüren, um ihnen gesonderte Ratschläge zu geben. Allerdings wird die Wirkung der meisten blutdrucksenkenden Arzneien durch eine salzarme Kost verstärkt. Man könnte die Dosierung also drastisch vermindern, wenn alle weniger Salz essen würden. „ Deswegen empfiehlt man pauschal auch den Gesunden, salzärmer zu essen”, sagt Joachim Hoyer, Vorstand der Deutschen Hochdruckliga. „Das heißt vor allem: weniger verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Wurst, Käse und Fertiggerichte zu konsumieren, weil rund 80 Prozent des täglichen Kochsalzes mit diesen Lebensmitteln aufgenommen werden.” Der Marburger Mediziner setzt sich gemeinsam mit Kollegen dafür ein, dass in der Industrie weniger Salz zum Einsatz kommt. Das wird manchem Gesunden nicht schmecken, ist jedoch für die bluthochdruckkranken Responder von großem Nutzen. Schließlich sterben weltweit rund 7 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen von Bluthochdruck. Anstatt der hierzulande üblichen 8 bis 12 Gramm Kochsalz täglich sollten es nur 5 bis 6 Gramm sein. Dann gäbe es 24 Prozent weniger Schlaganfälle und 18 Prozent weniger Herzkrankheiten.
Doch es fehlt bislang an überzeugenden Beweisen, dass salzarme Kost für alle tatsächlich gesünder ist. Dazu müssten über viele Jahre Studien mit vielen Menschen durchgeführt werden. Bislang gilt für Gesunde: Das Nachsalzen am Tisch ist sehr wahrscheinlich unbedenklich.





