Irrtum 10
Man muss täglich mindestens zwei Liter trinken
Nein. Der Körper braucht laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nur rund 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag. Was der Mensch über die Nahrung mit Suppe oder Salaten zu sich nimmt, wird hierbei nicht mitgerechnet. Diese Empfehlung gilt für erwachsene Büroarbeiter und deutsches Klima. Die benötigte Menge variiert also je nach Geschlecht, Ernährung, Sportlichkeit und Klima sehr stark. Wer mehr Wasser trinkt, als er physiologisch benötigt, hat keine gesundheitlichen Vorteile. Immer wieder wird jedoch kolportiert, ein hoher Wasserkonsum verhindere Leiden wie Harnwegsinfektionen, Blasen- und Darmkrebs, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Thrombosen, Schlaganfall, Zahnkrankheiten, Gallensteine. Laut Ratgeberliteratur soll man sich notfalls zum Wassertrinken zwingen, denn das helfe den grauen Zellen auf die Sprünge, glätte Falten und schütze sogar vor Krebs und Depressionen – das ist jedoch alles nicht bewiesen. „Für eine Wasserzufuhr über den physiologischen Bedarf hinaus, um Krankheiten vorzubeugen, liegen keine überzeugenden Studienergebnisse vor”, stellt Helmut Heseker fest, Ernährungswissenschaftler an der Universität Paderborn.
Doch zu viel kann man fast nicht trinken. „Aufgrund der hervorragenden Fähigkeit zur Ausscheidung von Wasser sind auch höhere Wassermengen gut verträglich, maximal etwa zehn Liter pro Tag”, sagt Heseker. Nur beim Sport sollte man vorsichtig sein. Marathonläufer, die an jeder Wasserstation tanken, riskieren starke Kreislaufprobleme bis hin zu Bewusstlosigkeit. Denn wer beim Sport zu viel trinkt, schwitzt zu viel Natrium aus. Das Gehirn wird dann mit Wasser überschwemmt, und der Hirndruck steigt gefährlich an. Für Freizeitsportler gilt: Vor dem Sport ein großes Glas (200 Milliliter) trinken und hinterher den Durst in Etappen löschen, nicht auf einmal. Nur wer länger als eine Stunde joggt oder Rad fährt, braucht zwischendurch Trinkpausen und sollte dabei regelmäßig kleine Mengen zu sich nehmen. ■
KATHRIN BURGER, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin in München, isst, was ihr schmeckt – und gerne in geselliger Runde. Für den Fotografen Ronald Frommann aus Hamburg war es eine Herausforderung, auf kleinstem Raum eine spannende Lichtinszenierung zu verwirklichen.





