In gut lesbarer Weise eröffnet es dem Leser das komplexe Panorama der Wanderungen des 1. Jahrtausends, von Goten, Vandalen oder Hunnen bis hin zu jüngeren Gruppen wie Slawen, Ungarn und Wikingern. Wie schon in seinen älteren Werken beweist Heather auch hier sein Können, hochkomplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen. Er entwirft ein faszinierendes Panorama, das vom Römischen Reich bis zur Entstehung jener politischen Gebilde führt, die im Wesentlichen noch heute die Landkarte Europas bestimmen. Interessierte Leser werden ihre Freude an Heathers stimulierendem Buch haben.
Daneben ist die „Invasion der Barbaren“ jedoch auch eine akademische Streitschrift. Heather vertritt im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen dezidiert die Meinung, dass die Migrationen nicht Teil komplexer Transformationsprozesse der römischen Welt gewesen seien, sondern vielmehr deren Auslöser und primäre Ursache. Dieses Erklärungsmodell ist in weiten Teilen nicht neu, sondern althergebracht und weithin akzeptiert. Es waren vielmehr die Forschungen, die von Heather angegriffen werden, die in den letzten Jahrzehnten neue Sichtweisen der Epoche vermitteln konnten.
Es ist fraglos stets schwierig, einen derart schütteren Quellenbestand in eine lesbare Erzählung zu verwandeln; Historiker müssen werten und Lücken füllen. Dies führt jedoch dazu, dass es nicht eine einzig wahre Geschichte einer Epoche gibt, sondern je nach Perspektive und Wertung viele verschiedene. Die nötigen Differenzierungen und Nuancen finden sich auch bei Peter Heather. Sie werden jedoch übertönt von seiner eingängigen Kernthese der Bedeutung von Massenmigrationen als Antrieb historischer Veränderung. Weniger im Detail als in seiner Gesamtaussage wird das Buch daher viel Widerspruch erregen. Spannend, anregend und lehrreich ist es dennoch.
Rezension: Dr. Philipp von Rummel




