In den USA haben Fake News derart stark zugenommen, dass Wissenschaftler angefangen haben, nach einem Gegenmittel zu suchen, was konkret heißt, dass sie überlegen, wie man Menschen eine Art „Impfschutz“ gegen diese geistigen Schädlinge verpassen kann, wie kürzlich in der Fachzeitschrift Science zu lesen war. Sie gehen dabei in zwei Schritten vor: Der erste besteht darin, die Leute vor Desinformationen zu warnen, während im zweiten eine abgeschwächte Form der Lüge auf eine Weise präsentiert wird, die Stirnrunzeln hervorruft und die Lüge klar als solche hervortreten lässt.
Inzwischen gibt es auch ein kostenloses Onlinespiel mit dem Namen „BadNews“, in dem man selbst Schritt für Schritt nachvollziehen kann, wie sich Falschmeldungen verbreiten: www.getbadnews.com/de.
Doch so fleißig um die Wahrheit gerungen wird: Wenn Sie mich fragen, zeigen diese Bemühungen sehr deutlich, dass der Weg zu einer strukturellen Lösung des Desinformations-Problems noch sehr weit ist.
Wenn an dieser Stelle von politischen Absichten abgesehen werden darf, könnte ein Grund für die zunehmende Bereitschaft, Falschinformationen zu glauben, mit der unübersehbaren Tatsache zu tun zu haben, dass Informationen aus dem Bereich der Wissenschaft wörtlich immer unglaublicher werden. Neulich konnte man zum Beispiel in der Fachzeitschrift nature lesen, dass sich in einem Gramm der Erbsubstanz DNA genug Informationen speichern lassen, um Videos mit einer Länge von 10 Millionen (!) Stunden in höchster Auflösung darauf unterbringen zu können. Gedanken wie „Das muss doch Schwindel sein!“ können einem da durchaus mal in den Sinn kommen.
Und da die Informatiker schon einmal bei der Erbsubstanz sind, versuchen sie mit den „Large Language Models“ der KI die Sprache des Lebens zu lehren, die anders als die Sprache des Menschen nicht aus einzelnen Worten besteht, sondern ein Kontinuum bildet, das eine Zelle informiert und reguliert. Man hat jetzt eine Software mit Milliarden von Parametern aus 2,7 Millionen Genomen konstruiert, die DNA-Sequenzen entwerfen kann. Ihre Schöpfer möchten die Fähigkeit erwerben, „to engineer life“, wie sie schreiben. Das ist nicht zu glauben, aber keine Falschmeldung.





