Wenn in der Nähe von Industriestandorten Schnee fällt, beobachten Meteorologen immer wieder ein ungewöhnliches Muster: Die dünnen Schneefahnen breiten sich ausgehend von den Industriegebieten in Windrichtung federförmig aus. Als Ursache vermuten Forscher die industriellen Abgase, die neben Wärme und Wasserdampf auch winzige Schadstoffpartikel enthalten. Diese Aerosol-Emissionen stehen im Verdacht, vor Ort die Wolkenbildung und das Wetter zu beeinflussen.
Zum einen könnten die flüssigen oder festen Aerosole theoretisch als Kondensationskeime wirken, an denen die Luftfeuchtigkeit zu Tröpfchen kondensiert, sodass Wolken entstehen. Bei Temperaturen zwischen minus 36 und 0 Grad Celsius könnten die Aerosole zum anderen als Kristallisationskeime wirken, an denen das flüssige Wasser in den unterkühlten Wolken zu Eis gefriert. Das könnte den verstärkten Schneefall in der Nähe von Industriegebieten erklären. Was die Abgase tatsächlich bewirken, war jedoch aufgrund mangelnder Daten bislang unklar.

Mehr Schnee im Lee von Industrieanlagen
Ein Team um Velle Toll von der Universität Tartu in Estland ist dem nun nachgegangen. Dafür werteten die Klimaforscher lokale Wetterradardaten sowie Satellitenbilder aus der Umgebung von 67 Industriegebieten in Kanada und Russland aus, in denen unter anderem Metall-, Zement- und Papierfabriken sowie Kohle- und Kernkraftwerke und Ölraffinerien stehen. Mittels Nahinfrarot dokumentieren die Satellitenbilder die Temperatur und die Eisbildung in unterkühlten Wolken über einen Zeitraum von 22 Jahren.
Toll und seine Kollegen fanden so heraus, dass die von diesen Anlagen ausgestoßenen Aerosole und Abgase tatsächlich das Wetter beeinflussen, vor allem in den Wintermonaten. So fiel aus den unterkühlten aerosolgeprägten Wolken auf der Leeseite der Industrieanlagen durchschnittlich 1,2 Millimeter Schnee pro Stunde. Pro Tag sammelten sich so bis zu 15 Millimeter Schnee am Boden. Die schneebedeckte Fläche war wie zuvor beobachtet stets federförmig. Abseits der Industrieabgase fiel hingegen zur selben Zeit kein Schnee. Das belegt, dass die Emissionen die lokalen Schneefallmuster verändern.






