Für Weinpanscher brechen schwere Zeiten an. Der Jülicher Biologe Dr. Hilmar Förstel, 56, hat Verfahren entwickelt, mit dem sich verfälschter Rebensaft zuverlässig entlarven läßt. Seit kurzem ist es von der EU als Beweismittel zugelassen.
Herkunft und Jahrgang eines Weines kann die sogenannte Sauerstoff-Isotopenanalyse zweifelsfrei nachweisen – und auch, ob er mit Wasser gestreckt wurde. Hilmar Förstel, der am Forschungszentrum Jülich arbeitet, hat das Verfahren aus der Hydrologie übernommen und weiterentwickelt. Bewährt hat sich die Methode dort unter anderem bei der Untersuchung von Wasserkreisläufen.
Wesentlich für die Weinanalyse ist, daß Sauerstoff aus drei unterschiedlich schweren Isotopen besteht und Wassermoleküle, in denen der “leichte” Sauerstoff chemisch gebunden ist, etwas schneller destillieren. Durch Wasser, das im Rebstock aufsteigt und verdunstet, reichern sich daher die schweren Sauerstoff-Isotope in der Weinpflanze und den Trauben an. Jedes Anbaugebiet hat ein charakteristisches Isotopenmuster, das beim Pressen und Keltern erhalten bleibt. Dies nutzt Förstel für seinen Test: Er bestimmt die Zusammensetzung des Sauerstoffs in einer Weinprobe und vergleicht sie mit der von unverfälschtem Wein. Etikettenschwindel und Panscherei mit Wasser kommen so ans Licht.
Fünf Jahre mußte der Biologe um die Anerkennung des Verfahrens kämpfen. Ende 1996 gab das Internationale Weinamt in Paris grünes Licht, im Mai nun auch die EU. Künftig, hofft Förstel, werden sich mit seiner Methode auch künstliche Aromastoffe rasch und einfach aufspüren lassen.
Hilmar Förstel





