von THOMAS BÜHRKE
Die Erforschung der Planetarischen Nebel begann mit einem großen Missverständnis: Als die Astronomen Charles Messier und Friedrich Wilhelm Herschel gegen Ende des 18. Jahrhunderts lichtschwache rundliche Nebel sichteten, assoziierten sie diese fälschlicherweise mit Planeten. Herschel nannte sie deshalb Planetarische Nebel. Über Jahrhunderte hinweg wurde über die Natur dieser Wölkchen diskutiert. Heute ist klar, dass es sich um Gasnebel handelt – erzeugt von Sternen in ihrer letzten Lebensphase.
Inzwischen sind in der Milchstraße rund 3000 Planetarische Nebel katalogisiert. Insgesamt dürften es bis zu 20.000 sein. Auch in anderen Galaxien wie der im Sternbild Andromeda sind Tausende von Nebeln erkennbar. Sehr helle wurden sogar im Coma-Galaxienhaufen nachgewiesen, bis zu 320 Millionen Lichtjahre entfernt.
Planetarische Nebel stammen von Sternen zwischen 0,8 und 8 Sonnenmassen. „Das sind rund 95 Prozent aller Sterne im All – auch die Sonne gehört dazu“, sagt Bruce Balick von der University of Washington in Seattle, einer der Pioniere ihrer Erforschung. „Sterne mit weniger als 0,8 Sonnenmassen haben ihren Wasserstoff im Zentrum noch nicht verbraucht, ihre Lebensdauer übertrifft das Alter des Universums.“ Sie hatten also noch keine Zeit, solche Nebel zu bilden.
Nachdem ein Stern im Zentralbereich seinen Wasserstoff zu Helium fusioniert hat, wird hauptsächlich Kohlenstoff und Sauerstoff erzeugt. Die Temperaturen steigen und in der den Kern umgebenden Schale setzt das Wasserstoff-Brennen ein. Gleichzeitig dehnt sich die äußere Hülle des Sterns aus: Er wird zu einem Roten Riesen. Der kann einen Radius von einer Astronomischen Einheit erreichen – die mittlere Entfernung der Erde von der Sonne. Diese Art des Schalenbrennens dauert, abhängig von der Sternmasse, bis zu 100.000 Jahre.
Neue Elemente für das All
In dieser Zeit ereignen sich mehrmals Instabilitäten und Ausbrüche. Von besonderer Bedeutung sind jene Phasen, in denen ein neues Schalenbrennen einsetzt. Dann kommt es zu einer kurzzeitigen konvektiven Durchmischung des Materials von einer unteren Schale in die darüber befindlichen – ähnlich wie in einem Topf mit kochendem Wasser. Material aus tieferen Schichten steigt bis an die Oberfläche und strömt dann von dort als Teilchenwind ins All.
Diesem Phänomen, „dredge up“ genannt, ist es zu verdanken, dass große Mengen an Kohlenstoff und Stickstoff ins Universum gelangen, wo sie als Baumaterial für neue Sterne und Planeten zur Verfügung stehen. Ohne dieses „Ausbaggern“ blieben sie im Innern des Sterns begraben.
Aufgrund des stetig abströmenden Teilchenwinds verliert der Stern einen großen Teil seiner Masse: Er wird immer leichter, und der Druck im Innern verringert sich, bis die Kernfusion endet. In der Folge schrumpft der Stern bis auf die Größe eines Planeten, vergleichbar mit der Erde, hat aber noch bis zu 1,4 Sonnenmassen. Er ist nun ein Weißer Zwerg, der anfänglich über 100.000 Grad heiß sein kann und, in Jahrmilliarden langsam auskühlend, dem Kältetod entgegenstrebt.





