Die Goldledertapete fand von der Renaissance bis zum Historismus eine europaweite Verbreitung. Wegen des teuren Materials und der aufwendigen Herstellungsweise gehörte sie vor allem zu Beginn ihrer Verwendung zu den fast unerschwinglichen Luxusgütern. Fürstlichen Appartements, sakralen Räumen und Empfangszimmern reicher Patrizier verlieh sie ihren betörenden Glanz und zeugte vom Wohlstand der Besitzer. Mit der Zeit vergrößerte sich der Kreis derjenigen, die sich den prächtigen Wandschmuck leisten konnten. Nicht nur die repräsentative Funktion wurde an Goldledertapeten geschätzt: Haltbarkeit und gute Isolationseigenschaften traten hinzu.
Heute kann man kaum noch nachvollziehen, welche überragende Bedeutung das Goldleder für die Innenraumgestaltung besaß, denn nur dort, wo ganze Räume mit der kostbaren Wandbespannung erhalten geblieben sind, kann man sich einen annähernd realistischen Eindruck von deren enormer Wirkung machen, annähernd deshalb, weil die Ledertapeten auch hier, selbst wenn sie gut erhalten sind, einem sichtbaren Alterungsprozess unterliegen: Das Leder wird brüchig und dunkelt nach. In Deutschland beherbergt heute Schloss Moritzburg bei Dresden den umfangreichsten Schatz an Ledertapeten; elf Räume sind hier mit dem kostbaren Material ausgekleidet. Auch im Schloss Weesenstein bei Dresden, im Wasserschloss Glücksburg bei Flensburg, in der Kapelle des Schlosses Veitshöchheim oder im Brühler Schloss Augustusburg kann man fündig werden.
Durch die Mauren hatte sich die Technik der Bearbeitung von Goldleder auf der Iberischen Halbinsel verbreitet. Leider sind nur noch wenige Beispiele dieser frühen Lederkunst erhalten, doch gehörten der spanische Hof, die portugiesischen Herrscher oder die Päpste im Vatikan zu den Auftraggebern der spanischen Manufakturen. Schriftliche Quellen berichten uns, dass in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Rathaus in Córdoba Goldleder für Türvorhänge und Sitzbezüge, ja sogar für Tischdecken verwendet wurde. Das geschmeidige spanische Goldleder wollte in der Tat Brokatsamt oder Damast imitieren und diente oft als Ersatz für Textilien. Diese wurden auch als Vorbild für die Musterung benutzt. Bevorzugt waren Granatapfelmotive oder Arabesken. In den Kirchen wurden vor allem das Antependium (Verkleidung des Altarunterbaus) und das Retabel (der Altaraufsatz) mit Goldleder versehen. Verwandt wurde nur das Leder junger Schafe, Ziegen oder Kälber. Zunächst wurden Haar- und Fleischseite von den verderblichen Schichten befreit. Anschließend gerbte man das Leder mit Alaun (ein Salz der Schwefelsäure). Nach dem Zuschneiden auf Normmaß wurden die Stücke mit Pergamentleim bestrichen und mit hauchdünnem Blattsilber belegt. Eine weitere Leimschicht sorgte für den Oxidationsschutz. Zum Schluss wurde der Goldlack aufgebracht, bevor das Leder punziert, das heißt mit kleinen Metallstempeln bearbeitet wurde…
Literatur Sabine Thümmler/Caroline Eva Gerner, Goldrausch. Die Pracht der Goldledertapeten. München 2006.




