Es ist nicht lange her, dass an niederländischen Schulen die Geschichte des Achtzigjährigen Kriegs (1568 –1648) als eine niederländische nationale Revolte präsentiert wurde: Ein kleines, aber tapferes Volk erringt seine Freiheit und Selbständigkeit gegen Unterdrückung und Zwangsherrschaft. Dieses Bild hat im niederländischen Selbstverständnis eine lange Tradition, und es fand im 20. Jahrhundert eine Bestätigung, als sich die Niederländer während der deutschen Besatzung (1940 –1945) in einer ähnlichen Position sahen.
Den Erhalt der Werte, die einst im heroischen Kampf gegen Spanien gesichert worden waren – Freiheit, Toleranz und die nationale Zusammengehörigkeit unter dem Haus Oranien-Nassau –, hätten die Niederländer auch gegen das NS-Regime bis zum Äußersten verteidigt, so die nationale Erinnerung. Während Wilhelm von Oranien im 16. Jahrhundert als „Vater des Vaterlands“ den Weg zur Republik der Vereinigten Niederlande geebnet habe, sei Königin Wilhelmina (1898 –1962) die Fürstin gewesen, die aus dem Londoner Exil mit Radioansprachen das Volk zusammenhielt und ihm Mut zusprach, den Kampf gegen die Besatzer nicht aufzugeben. So habe sie dazu beigetragen, dass das Land nach 1945 mit Stolz auf eine unbeugsame Haltung gegenüber dem Nazi-Regime habe zurückblicken können. …
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