Die erschreckenden Zustände führten dazu, dass Survival International und die brasilianische Hilfsorganisation Pro-Yanomami-Kommission (CCPY) eine weltweite Kampagne starteten, um auf das Schicksal der Yanomami aufmerksam zu machen. 1985 begann auch Davi sich für die Anerkennung des weitläufigen Gebiets in den brasilianischen Bundesstaaten Roraima und Amazonas, das von den Yanomami bewohnt wurde, einzusetzen.
In den folgenden Jahren führte Davis unermüdlicher Kampf für die Rechte seines Volkes ihn um die halbe Welt, unter anderem auch nach Deutschland. Während seinen Reisen berichtete er von den furchtbaren Auswirkungen, welche die Invasion der Goldgräber auf die Gesundheit und Umwelt der Yanomami hatte, und warnte davor, dass die Yanomami nur überleben könnten, wenn ihre Landrechte anerkannt würden.
Das Schicksal der Yanomami und die Verwüstung, welche die Eindringlinge mit sich brachten, lösten weltweit Entsetzen aus. In Großbritannien äußerte sich auch Prince Charles zur Situation und sprach von einem „entsetzlichen Muster kollektiven Genozids”.
Doch Davi, Survival und die Pro-Yanomami-Kommission mussten bis zum Jahr 1992 warten, bis die brasilianische Regierung endlich das Land der Yanomami anerkannte – kurz bevor Brasilien Gastgeber für den ersten UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro war.
Das Yanomamigebiet wurde unter dem Namen „Yanomami-Park” zur ausschließlichen Nutzung durch die Indigenen abgegrenzt und die Goldschürfer aus dem Schutzgebiet verwiesen. Mit über 9,6 Millionen Hektar umfasst das Territorium in Brasilien eine Fläche, die doppelt so groß ist wie die Schweiz. Zusammen ergibt das Gebiet, das die Yanomami in Brasilien und Venezuela bewohnen, weltweit den größten indigenen Lebensraum in tropischem Regenwald.
Während Davi weltweit als “Dalai Lama des Regenwaldes” bekannt wurde, brachten ihm sein Mut, sein Kämpfergeist und seine Hartnäckigkeit bei seinem Volk den Spitznamen Kopenawa („Hornisse”) ein. „Ich habe 25 Jahre lang viel geträumt und gekämpft – es war sehr schwer, aber andere haben mir geholfen”, erinnert sich Davi. „Es hat zu einem tollen Sieg für das Yanomami-Volk geführt. Wenn ich nicht gekämpft hätte, wäre ich nicht hier.”
Die Anerkennung des Yanomami-Schutzgebietes war ein historischer Sieg, doch die Ereignisse des letzten Monats in Ajarani zeigen, dass die Regierung in der Praxis oft nichts gegen Goldgräber oder Farmer unternimmt, die illegal in das Schutzgebiet eindringen. Zurzeit debattiert der brasilianische Kongress außerdem über einen Gesetzesentwurf, der, wenn er bewilligt wird, Bergbau im großen Stil in indigenen Gebieten erlauben würde. Viele Personen im brasilianischen Establishment würden das Gebiet der Yanomami lieber verkleinern und für Bergbau, Viehzucht und Besiedlung zugänglich machen.




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