Ende letzten Jahres waren Forscher der Universität Halle in einem groß angelegten Feldversuch zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Koexistenz zwischen Feldern mit Gentech- und normalem Mais problemlos möglich ist. Bereits ein Abstand der Anbauflächen von 20 Metern reiche aus, um eine Vermischung der Sorten durch Pollenflug zu vermeiden. Umweltverbände kritisierten die Studie als unseriös und verwiesen auf andere Untersuchungen, nach denen ein solcher Abstand zu klein sei (bild der wissenschaft 12/2004, „ Gentech-Pollen fliegen weit”).
Schon lange versuchen Forscher zu verhindern, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen durch Auskreuzungen unkontrolliert verbreiten. Biologen um Thomas Roitsch von der Universität Würzburg haben jetzt für Tomaten und Tabak ein völlig neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem die Pollen dieser Pflanzen gezielt sterilisiert werden. Damit hätten ihre Gentech-Varianten keine Möglichkeit mehr, Wildpflanzen zu befruchten. Dafür griff Roitsch zu einem Trick: „In den männlichen Blütenteilen gibt es eine spezialisierte Zellschicht, deren einzige Aufgabe es ist, die heranreifenden Pollen mit Nährstoffen zu versorgen. In dieser Zellschicht ist das Enzym Invertase aktiv, das unerlässlich für die Entwicklung der Pollen ist.” In einigen anderen Pflanzenteilen ist das Enzym für die Versorgung mit Kohlenhydraten zuständig.
Den Forschern gelang es, die Invertase so zu verändern, dass sie nicht mehr funktioniert – allerdings nur in dem Bereich, in dem die Pollen heranwuchsen. Die behandelten Tomaten- und Tabakpflanzen entwickelten sich völlig normal und bildeten sogar Pollen aus, die allerdings nicht reiften – die Pflanzen waren impotent geworden. Roitsch will die neue Methode jetzt auch an Raps und Weizen testen.
Das Verfahren ist durch die Novellierung des deutschen Gentechnikgesetzes für die Industrie hochinteressant: Viele Wissenschaftler und Agro-Unternehmen sehen in der letztes Jahr beschlossenen Neufassung das Todesurteil für die grüne Gentechnik in Deutschland, da es bei unbeabsichtigten Auskreuzungen zu hohen Schadenersatzforderungen kommen kann.





