Als im 18. Jahrhundert in England die Pocken-Epidemie grassierte, beobachtete der Arzt Edward Jenner: Mägde, die mit Kühen zu tun hatten, blieben von der Krankheit verschont. Er überlegte, ob die Mägde möglicherweise vorher mit Kuhpocken in Kontakt gekommen waren. Könnte eine Ansteckung mit dem Kuhpocken-Erreger vor einer späteren, für den Menschen gefährlichen Pockenkrankheit schützen? Jenner wagte ein Experiment. Er ritzte den Arm eines achtjährigen Jungen und träufelte Eiter aus einem Kuhpockenbläschen auf die Wunde. Der Junge bekam leichte Kopfschmerzen und verlor den Appetit – typische Symptome einer Kuhzpockeninfektion. Sechs Wochen später infizierte Jenner den Arm des Kindes mit Eiter aus den Pockenbläschen eines Menschen. Banges Warten – doch der Junge blieb gesund, auch als Jenner das Experiment zwei Monate später wiederholte. Jenners Vermutung, dass eine Infektion mit Kuhpocken vor einer Pockeninfektion schützt, war richtig. Er hatte das Prinzip der Impfung entdeckt, ohne von Viren oder einem Immunsystem zu wissen.





