Wenn wir uns mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren, ruft dies mehrere Abwehrreaktionen unseres Immunsystems hervor. Die wirksamste sind spezifische Antikörper, die an die Bindungsstellen des Virus andocken, um es zu neutralisieren. Dies stoppt die Virenvermehrung und damit auch die Infektion. “Während eine komplette Immunität gegen Viren nur durch hohe Titer von neutralisierenden Antikörpern erzielt werden kann, lässt sich ein erfolgreicher Schutz gegen das Erkranken oder Sterben auch durch mehrere andere Formen des Immungedächtnisses erreichen”, erklären Jennifer Dan vom La Jolla Institute for Immunology und ihre Kollegen. Dafür sorgen vor allem spezielle Gedächtniszellen der Immunabwehr. So bewahren B-Gedächtniszellen die “Bauanleitung” für die virenspezifischen Antikörper auf und ermöglichen bei erneutem Virenkontakt schnell die Produktion großer Mengen dieser Antikörper. CD4+- und CD8+-T-Gedächtniszellen “merken” sich ebenfalls bestimmte Proteine oder Proteinteile des Virus und fördern bei einer Zweitinfektion unter anderem die Aktivierung von T-Killerzellen und von T-Helferzellen, die antivirale Botenstoffe freisetzen.
Antikörper, B-Gedächtniszellen und T-Zellen
Im Idealfall bleiben diese Komponenten des Immungedächtnisses über Jahre erhalten, sodass Menschen nach einer ersten Infektion oder einer Impfung lange geschützt bleiben. Ob dies aber bei Sars-CoV-2 und Covid-19 der Fall ist, war bislang unklar. So deuten Studien darauf hin, dass einige genesene Covid-Patienten schon nach kurzer Zeit kaum noch neutralisierende Antikörper im Blut haben. Zudem hat es einige Fälle von Menschen gegeben, die sich einige Wochen oder Monate nach einer ersten Infektion mit dem Coronavirus erneut angesteckt haben. Diese Informationen warfen die Frage auf, ob die Immunisierung nach Covid-19 möglicherweise nur kurz anhält. Da auch die neu entwickelten Corona-Impfstoffe darauf abzielen, eine möglichst langanhaltende Reaktion der Antikörper und T-Zellen hervorzurufen, könnte dies im Extremfall bedeuten, dass eine Corona-Schutzimpfung regelmäßig wiederholt werden muss.
Um mehr Klarheit zu gewinnen, hat das Forschungsteam das Immungeschehen bei 188 Covid-19-Patienten über acht Monate hinweg mitverfolgt. Die Männer und Frauen hatten eine Sars-CoV-2-Infektion unterschiedlicher Schwere durchlebt: Einige hatten kaum Symptome, andere mussten intensivmedizinisch behandelt werden. Die Wissenschaftler ermittelten über Blutproben den Gehalt der für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 spezifischen Antikörpern, von B-Gedächtniszellen, von CD4+-T-Zellen und von CD8+-T-Gedächtniszellen. “Soweit wir wissen, ist dies die umfangreichste je für eine Infektion durchgeführte Studie, die alle vier dieser Komponenten des Immungedächtnisses untersucht hat”, sagt Co-Autor Alessandro Sette von der University of California in San Diego.





