Ob Hitzerekorde, Trockenheit, Starkregen oder zunehmende Waldbrände: Die Folgen des Klimawandels sind längst auch bei uns in Deutschland zu spüren. Wetterextreme werden häufiger und die Mitteltemperaturen sind deutlich angestiegen. Das dies kein Zufall oder naturgegeben ist, belegen zahlreiche Studien. Sie bestätigen, dass der durch unsere CO2-Emissionen verursachte Klimawandel treibende Kraft dieser Entwicklungen ist.
Wie stehen die Deutschen zu Klimawandel und Klimaschutz?
Doch dessen ungeachtet zweifeln auch in Deutschland immer mehr Menschen am menschengemachten Klimawandel, halten Warnungen vor den Folgen für übertrieben oder wittern sogar eine gezielte Manipulation durch „die da oben“. Das belegen vergleichende Auswertungen des sogenannten GESIS-Panels – einer seit 2014 jährlich stattfindenden repräsentativen Befragung von rund 5400 Menschen in ganz Deutschland. Die Fragen umfassen neben allgemeinen Angaben zu Alter, Geschlecht und Lebensumständen auch 14 Fragen zu Klimawandel und Klimaschutz.
Die Fragen beleuchten drei grundlegende Aspekte dazu. Der erste betrifft die Haltung gegenüber wissenschaftlichen Fakten: Halten die Befragten den Klimawandel für real? Glauben sie, dass der Klimawandel menschengemacht ist? Der zweite Aspekt ist die sogenannte Prozess-Skepsis: Halten die Befragten Klimaschutzmaßnahmen wie die Dekarbonisierung und Energiewende für nötig und angemessen? Der dritte Aspekt ist die persönliche Bereitschaft, Einbußen durch den Klimaschutz in Kauf zu nehmen, beispielsweise durch höhere Preise oder Steuern.
Katharina Gies und Emanuel Deutschmann von der Europa-Universität Flensburg haben diese Daten ausgewertet, um herauszufinden, ob sich die Antworten seit 2014 verändert haben und bei wem.

Die Skepsis bezüglich Klimakrise und Klimaschutz lässt sich in drei Hauptaspekte gliedern. — © Gies und Deutschmann/ Global Environmental Change, CC-by 4.0
Zweifel an der Klimakrise und ihren Folgen wachsen
Die Auswertungen ergaben: Die Skepsis gegenüber Klimawandel und Klimaschutz hat in Deutschland deutlich zugenommen – zum ersten Mal seit Beginn der Befragungen. 59 Prozent der Befragten hatten im Jahr 2023 insgesamt stärkere klimawandelskeptische Einstellungen als im Vorjahr. „93 Prozent der Befragten sind in mindestens einem Aspekt skeptischer als noch zuvor“, berichten Gies und Deutschmann. Die Zahl der Menschen, die beispielsweise eine Abkehr von fossilen Brennstoffen für unnötig halten, hat sich von 2022 auf 2023 um fast ein Drittel erhöht.
Noch bedenklicher: Diese Klimawandel-Skepsis äußert sich nicht nur in abnehmender Bereitschaft, zum Klimaschutz beizutragen oder dafür Einbußen in Kauf zu nehmen. „Stattdessen wird auch die Klimakrise selbst zunehmend bezweifelt“, berichten die Forschenden. Im Jahr 2023 zweifelten 28 Prozent mehr Befragte als noch 2022 daran, dass Natur und Klima auf eine Krise zusteuern. 19 Prozent mehr als zuvor hielten Berichte über den Klimawandel und seine ökologischen Folgen für übertrieben. Gleichzeitig haben die Zweifel interessanterweise bei den Menschen am meisten zugenommen, die zuvor nicht zu den Skeptikern gehörten.
Keine exotische Minderheit mehr
“Unsere Resultate zeigen, dass die Klimawandel-Skepsis in Deutschland nicht mehr auf eine kleine, aber laute Minderheit beschränkt ist. Stattdessen handelt es sich hier um einen breiten Trend, der auf einem substanziellen Anteil der deutschen Bevölkerung beruht“, konstatieren Gies und Deutschmann. „Diese Skepsis ist inzwischen ein komplexes und weit verbreitetes Phänomen, das nicht einfach übergangen werden kann.“ Klimawandel-Leugner und Klimaschutz-Skeptiker sind in Deutschland längst keine Einzelfälle mehr.

Ab dem Jahr 2022 hat sich der Anteil der Klimawandel-Skeptiker in Deutschland deutlich erhöht. — © Katharina Gies, Emanuel Deutschmann/ Europa-Universität Flensburg
Die Analysen zeigen aber auch, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen anfälliger für Fehlannahmen und Verschwörungstheorien rund um den Klimawandel sind. „Bei Menschen mit rechter politischer Orientierung, geringem Vertrauen in die Regierung und einer hierarchischen Weltsicht war eine Zunahme der Klimaskepsis am wahrscheinlichsten“, berichten die Forschenden. Dazu passt, dass dieser Trend in Ostdeutschland besonders ausgeprägt war.
Ukrainekrieg und Misstrauen gegenüber der Politik als Triebkräfte
Doch was sind die Ursachen für die wachsenden Zweifel an der Klimakrise, ihren Folgen und den nötigen Gegenmaßnahmen? Eine treibende Kraft sehen Gies und Deutschmann in den geopolitischen Krisen der letzten Jahre und speziell im Ukrainekrieg: Die damit verknüpfte Erdöl- und Erdgasknappheit hat Versorgungsängste geschürt, Preise in die Höhe getrieben und die Prioritäten für viele Menschen verschoben. Interessanterweise gab es aber keinen Zusammenhang zur individuellen wirtschaftlichen Lage.
Nach Ansicht der Forschenden unterstreicht dies, dass das Problem vor allem im wachsenden Vertrauensverlust gegenüber Wissenschaft und Politik liegt. „Wer Klimaschutz und Transformationsprozesse gesellschaftlich breit verankern will, muss diese Einstellungen ernst nehmen“, sagt Deutschmann. Man müsse daher dringend versuchen, das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen. „Wir müssen vermeiden, dass Klimaschutz als das Projekt einer ‚linken Elite‘ wahrgenommen wird.“
Quelle: Katharina Gies und Emanuel Deutschmann (Europa-Universität Flensburg), Global Environmental Change, 2026; doi: 10.1016/j.gloenvcha.2026.103202





