Im Juli 2021 kam es in Westeuropa zu mehreren Extremwetterereignissen an den Zuflüssen der Maas in den Niederlanden und im Einzugsgebiet des Rheins. Dazu zählt auch das Ahrtal in Rheinland-Pfalz, wo Starkregen zu einer rasch anschwellenden Sturzflut führte. Bei den Überschwemmungen wurden Häuser, Straßen und Brücken in mehreren Dörfern entlang der Flüsse zerstört, die in den Folgejahren mit Kosten in Milliardenhöhe wieder aufgebaut wurden. Darüber hinaus starben in Deutschland 196 Menschen, in Belgien 43 – weil Frühwarnsysteme versagten und weil die Menschen sich mangels früherer Erfahrungen das Ausmaß nicht vorstellen und angemessen darauf reagieren konnten.
Analysen zufolge hat der Klimawandel an dieser Flutkatastrophe einen großen Anteil. Denn er beeinflusst den Jetstream und damit ein für unser Wetter prägendes Windband. Durch Störungen in dessen Strömungsmuster entwickelte sich ein von den globalen Windströmungen abgekoppeltes Tiefdruckgebiet, das sich tagelang kaum vom Fleck bewegte und daher Stark- und Dauerregen für Westeuropa brachte. Auf den bereits vollgesogenen Erdboden fielen dann innerhalb weniger Stunden Regenmengen, die sonst in mehreren Monaten fallen.
Schlimmer geht (n)immer?
Doch wie kam es genau zu dieser Verkettung von Ereignissen und unter welchen Umständen hätte die Katastrophe anders verlaufen können? Das haben nun Forschende um Vikki Thompson vom Königlich Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI) näher untersucht. Mithilfe von Computermodellen simulierten sie, wie sich die Atmosphäre in Nordeuropa im Juli 2021 tatsächlich entwickelt hat und wie sie sich bei geringfügig anderen, aber ebenfalls realistischen Parametern entwickelt hätte. Hätte es dann mehr geregnet, auf mehr Orte verteilt oder gar an ganz anderen Stellen? Die Analysen ergaben: Wären die Entwicklungen in der Atmosphäre auch nur ein klein wenig anders gewesen, hätte die Flutkatastrophe sogar noch schlimmer ausfallen können. „Unsere Recherchen zeigen, dass die Überschwemmungen in Deutschland im Jahr 2021 mit nur geringfügigen Änderungen des Wettermusters noch verheerender hätten sein können“, sagt Thompson.
Beispielsweise wäre es unter den gegebenen Umständen möglich gewesen, dass das Wettersystem über Westdeutschland vier statt drei Tage lang bestehen blieb. In diesem Szenario wäre insgesamt genauso viel Regen gefallen, aber über einen längeren Zeitraum verteilt. Dadurch hätten die Hauptflüsse mehr Wasser aus den Nebenflüssen erhalten. Das hätte in Großstädten wie Bonn und Köln, die flussabwärts am Rhein liegen, zu schlimmeren Überschwemmungen geführt, an den Zuflüssen wie der Ahr jedoch die Lage verbessert. In einem anderen Szenario wäre das Regengebiet noch größer gewesen – etwa die Fläche von ganz Belgien – und hätte weit mehr Orten Starkregen und Sturzfluten beschert. Dann wären nicht nur – wie geschehen – Teile Westdeutschlands, Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs, sondern gleichzeitig auch deren Nachbarregionen betroffen gewesen. Das hätte die nationalen und örtlichen Katastrophenteams vor noch größere Herausforderungen gestellt.





