Übergewicht, Fettleibigkeit und damit verbundene Gesundheitsrisiken sind für mehr und mehr Menschen in Industrienationen ein Problem. In den USA hatten 2016 mehr als 70 Prozent aller Erwachsenen einen Body-Mass-Index über 25 und galten somit als übergewichtig. Besonders der steigende Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher gibt aus epidemiologischer Sicht Anlass zur Besorgnis, denn wer bereits in jungen Jahren zu dick ist, hat oft auch als Erwachsener Schwierigkeiten, ein gesundes Gewicht zu erreichen. Wie genau sich der BMI im Lebensverlauf entwickelt und welche Trends über Generationen hinweg zu beobachten sind, wurde bislang allerdings noch nicht systematisch erhoben.
BMI wächst stärker und schneller an
Ein Team um Yang Claire Yang von der University of North Carolina hat nun vier große US- Längsschnittstudien auf diese Informationen hin ausgewertet. Dabei konnten sie auf die Daten von fast 65.000 Befragten zwischen 11 und 107 Jahren zurückgreifen. Diese teilten sie nach ihrem Geburtsjahrgang in Fünf-Jahres-Kohorten ein und analysierten den BMI für jede Geburtskohorte einzeln. Zusätzlich werteten sie für alle Befragten die Ethnie, das Ausbildungsniveau sowie den Bildungsstand der Eltern aus und setzten diese Einflussfaktoren in Beziehung zum BMI.
„Bei jüngeren Geburtskohorten war der BMI im Vergleich zu früher geborenen Kohorten im Mittel höher und nahm schneller zu“, berichten die Forscher. Während Personen, die zwischen 1950 und 1954 geboren wurden, mit 30 Jahren einen durchschnittlichen BMI von 25,8 hatten, was leichtem Übergewicht entspricht, lag der BMI für Personen, die zwischen 1980 und 1984 geboren wurde, im gleichen Alter bei 30,2, also im Bereich der Fettleibigkeit. Über die Geburtskohorten hinweg beobachteten die Forscher den Trend, dass der BMI vom Jugend- bis ins Erwachsenenalter zunimmt, wobei der Anstieg bei jüngeren Kohorten steiler ist. Nach einem Maximum zwischen 50 und 69 Jahren nimmt das Körpergewicht ab dem 70. Lebensjahr wieder ab, beispielsweise in Folge von Krankheiten.
Bildung und Ethnie als Einflussfaktoren
Als wichtige Einflussfaktoren identifizierten Yang und Kollegen den Bildungsstand der Eltern sowie den eigenen Bildungsabschluss. „Höhere Bildungsabschlüsse der Eltern und der Befragten waren in allen Altersgruppen mit niedrigeren BMI-Werten verbunden“, schreiben sie. „Bei Frauen, deren Eltern einen Hochschulabschluss hatten, war auch der Anstieg des mittleren BMI im Lebensverlauf geringer.“
Auch die Ethnie spielte der Analyse zufolge eine Rolle: „Bei Schwarzen und Hispanics zeigten sich im Vergleich zu Weißen schon früher im Leben stark erhöhte BMI-Werte, die in allen Altersgruppen bestehen blieben“, so die Forscher. Die Unterschiede seien nur zum Teil auf den unterschiedlichen sozioökonomischen Status zurückzuführen. „Ein möglicher Mechanismus für diese Ungleichheit im BMI-Verlauf ist, dass die Belastung durch Diskriminierung sowie der unterschiedliche Zugang zu Gesundheitsressourcen dazu führen, dass sich biologische Alterungsprozesse beschleunigen oder die Minderheiten im Vergleich zu Weißen weniger gesundheitsfördernde Verhaltensweisen an den Tag legen“, erklären die Autoren. Allein der Stress durch alltägliche Diskriminierung könnte einen negativen Einfluss auf Gewicht und Gesundheit haben.





