Unter Industrialisierung versteht man den historisch einzigartigen Prozess eines massenhaften Übergangs von älteren dezentralen, kleinbetrieblichen und agrarischen Produktionsformen zur zentralisierten (Fabrik-)Produktion. Voraussetzung für die Gründung von Fabriken war die Verfügbarkeit von Maschinen und mechanischen Einrichtungen. Eine Fabrik kombiniert Maschinen zur Krafterzeugung (etwa die Dampfmaschine) mit Antriebsmaschinen und maschinellen Werkzeugen, mit denen die Produkte gefertigt werden. Der Gewinn einer solchen Einrichtung liegt in einer gegenüber den älteren Herstellungsformen gewaltig gestiegenen Produktivität.
Damit sind aber nicht automatisch geringere Fertigungskosten verbunden, als sie mit den bis dahin üblichen Produktionsweisen zu erreichen waren. Unter kapitalistischen Bedingungen, das lässt sich in der Industrialisierungsforschung gut nachweisen, fielen deshalb Entscheidungen, in die riskante maschinelle und zentralisierte Produktion zu investieren, immer dann, wenn die Nachfrage so stark angewachsen war, dass Kostengesichtspunkte keine Rolle mehr spielten und ein entsprechender Absatz nur mit gewaltig gesteigerten Herstellungszahlen zu erzielen war. Solche Konstellationen waren in England seit Mitte, in Westeuropa und Nordamerika seit Ende des 18. Jahrhunderts gegeben. Verbunden mit dem Prozess der Industrialisierung war die Trennung von Arbeit, Vertrieb und Konsum. Zugleich verlagerte sich der Schwerpunkt der Erwerbsbevölkerung vom agrarischen auf den gewerblichen und den Dienstleistungssektor. Allerdings mussten auch in früh industrialisierten Staaten nicht unbedingt die meisten Beschäftigten dem industriellen Sektor angehören – in den USA war das zum Beispiel nie der Fall.
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 02/2013.
Dr. des. Gunnar Gawehn




