von DANIELA LUKAßEN-HELD
Depressionen, Schizophrenie, Angststörungen – mehr als eine Milliarde Menschen weltweit sind von psychischen Erkrankungen betroffen. Das entspricht rund 14 Prozent der Weltbevölkerung, wie aus dem aktuellen Mental Health Atlas der Weltgesundheitsorganisation WHO hervorgeht. Erkrankte sind dabei nicht nur Patientinnen und Patienten. Sie sind Ehepartner, Lebensgefährten, Eltern oder Kinder. Die Grundfesten einer Beziehung: sich gegenseitig unterstützen, füreinander da sein, sich auffangen und stärken – erkrankt der Partner oder die Partnerin psychisch, gerät diese Beziehungsdynamik vielfach aus den Fugen.
Unter einem großen Leidensdruck steht dann oft nicht nur der Betroffene selbst. Partnerinnen und Partner psychisch erkrankter Menschen entwickeln häufiger Symptome wie Stress, Angst oder Depressionen. „Das Risiko steigt mit der Schwere der Erkrankung des betroffenen Familienmitglieds“, erklärt Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg. „Besonders bei schweren Erkrankungen wie Schizophrenie ist das Risiko für Stress beim Partner deutlich erhöht.“ Begründet sei das etwa in den Symptomen der psychischen Störung, vor allem den Kommunikationsschwierigkeiten der Erkrankten. Herpertz beruft sich auf eine Studie, die dazu 2025 im Fachjournal Medicine erschienen ist. Übernimmt eine Person dauerhaft Haushalt und familiäre Verantwortung allein, kann auch das belasten.
Guy Bodenmann, Leiter des Lehrstuhls für Klinische Psychologie mit den Schwerpunkten Kinder/Jugendliche und Paare/Familien an der Universität Zürich, beschäftigt sich ebenfalls seit Jahren mit den Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf Paarbeziehungen. „Psychische Erkrankungen betreffen selten nur die Person mit der klinischen Diagnose. In einer Partnerschaft verändern sie fast immer das gemeinsame Leben, den Alltag, das emotionale Miteinander und häufig auch die Sexualität. Eine psychische Störung wirft einen Schatten auf die gesamte Beziehung“, sagt er.
Nach Bodenmann hat eine psychische Erkrankung vor allem Auswirkungen auf die Rollenverteilung innerhalb der Partnerschaft: Der Partner ohne Diagnose übernimmt zunehmend Aufgaben, schont den Erkrankten und versucht, Belastungen auszugleichen. Das sei zwar gut gemeint, könne jedoch unbeabsichtigt dazu beitragen, dass Abhängigkeiten wachsen und das Gefühl eigener Selbstwirksamkeit beim erkrankten Menschen weiter abnimmt. Diese Dynamik könne die Partnerschaft zusätzlich belasten.






