An der Idee, dass man nicht über Themen sprechen sollte, von denen man nichts versteht, ist ja zunächst nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Angefangen hat es mit der COVID-Pandemie, als die wenigen echten Experten kein Gehör fanden, weil ihre Aussagen in einem tosenden Rauschen von Fehlinformationen untergingen. Damals wurden die vielen Leute, die „das mal selbst recherchiert haben“, aus gutem Grund kritisiert. Schließlich hatte ihre sogenannte „Recherche“ nichts mit dem Zusammentragen verlässlicher Informationen zu tun. Doch inzwischen hat es sich zu einem allgemeinen Trend entwickelt, in den sozialen Medien pauschal über jede Person herzufallen, die sich zu einem ihr fachfremden Thema äußert. Wenn Sie mich fragen, ist das Unsinn.
Machen Sie Ihre eigenen Recherchen. Aber machen Sie sie richtig! Letztlich tue ich in dieser Kolumne und auf meinem YouTube-Kanal ja nichts anderes: Ich äußere mich zu Themen wie Antibiotika, Klimawandel oder Künstlicher Intelligenz, die von meinem Kerngebiet – der Theoretischen Physik – teilweise sehr weit entfernt sind. Und glauben Sie mir, es beschweren sich online genug Leute darüber. Aber wenn die Informationen richtig sind und eine angemessene Recherche dahintersteht, was ist dagegen einzuwenden? Die wichtige Frage ist nur: Was bedeutet es, eine angemessene Recherche zu machen?
Ein wichtiger Teil der Recherche beginnt bereits, bevor Sie mit dem eigentlichen Recherchieren beginnen. Überlegen Sie, welches Ergebnis Sie von Ihrer Recherche realistischerweise erwarten können, und bedenken Sie dabei: Es dauert etwa zehn Jahre vom Beginn des Studiums bis zur Promotion und weitere fünf bis zehn Jahre um eine guten Überblick über das Forschungsgebiet zu bekommen. Einen vergleichbaren Wissensstand werden Sie nicht durch ein paar Google-Suchen erreichen – auch wenn man zuweilen geneigt seien mag, das zu glauben. Es kann daher helfen, im Vorfeld konkrete Fragen zu formulieren und stringent auf ihre Beantwortung hinzuarbeiten.
Dabei ist es jedoch entscheidend, dass Sie immer wieder reflektieren, ob Sie die Inhalte wirklich verstanden haben, oder noch etwas unklar geblieben ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell Fehler passieren, wenn man über die schwer verständlichen Passagen einfach hinwegliest. Außerdem sollten Sie sich über Ihre eigene Voreingenommenheit bewusst sein. Wenn Sie zu einem Thema recherchieren, zu dem Sie zuvor eine starke Meinung vertreten haben, zögern Sie vielleicht, zuzugeben, dass Sie sich geirrt haben. Natürlich fällt das schwer, aber in solchen Situationen hilft es mir, mich daran zu erinnern, dass gute Wissenschaftler sich dadurch auszeichnen, dass sie Fehler eingestehen.
Damit sind wir nun in einer guten Position, um mit der eigentlichen Recherche zu beginnen – und zwar nicht, indem wir einfach ein paar Stichworte in die Google-Suche eingeben und die ersten drei Ergebnisse aufrufen. Eine echte Recherche zu einem wissenschafltichen Thema zu machen, bedeutet, in die Fachliteratur einzusteigen.





