Im Sonnensystem erfüllen bislang nur fünf Objekte alle Kriterien für einen Zwergplaneten: Pluto, Haumea, Eris und Makemake kreisen in Bahnen jenseits des Neptun, Ceres zieht dagegen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter seine Bahn. Während die äußeren Zwergplaneten zudem alle mehr als 1500 Kilometer Durchmesser aufweisen, ist Ceres mit nur 950 Kilometern der bisher kleinste von ihnen. Doch seine fast perfekt kugelige Form belegt, dass auch er groß und schwer genug ist, um sein Material durch die eigene Schwerkraft zur Kugel zu formen. Unklar war jedoch bisher, ob Ceres damit schon die Untergrenze für einen Zwergplaneten markiert oder ob es möglicherweise doch noch kleinere Vertreter dieser Klasse von Himmelskörpern gibt. Von den drei nächstgrößeren Objekten im Asteroidengürtel, Pallas, Vesta und Hygiea, erfüllen zwei das Kriterium der perfekten Kugelgestalt nicht: Der 546 Kilometer große Pallas und die 516 Kilometer große Vesta sind durch Kollisionen verformt und daher nicht perfekt kugelförmig.
Viergrößtes Objekt im Asteroidengürtel im Visier
Anders dagegen Hygiea: Im Gegensatz zu seinen drei größeren Kompagnons im Asteroidengürtel war dieser gut 400 Kilometer große Asteroid bisher kaum untersucht. “Hygeia konnte noch nie mit genügend hoher Auflösung beobachtet werden, um Details seiner Oberfläche zu zeigen oder seine Form und Größe näher zu bestimmen”, erklären Pierre Vernazza vom Astrophysikalischen Laboratorium in Marseille und seine Kollegen. Um dies zu ändern, haben die Astronomen Hygiea nun erstmals ausgiebig mit dem SPHERE-Instrument am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarten (ESO) in Chile beobachtet. Dank der adaptiven Optik dieses Instruments konnten sie neue, genauere Daten über die Oberflächenform, die Größe und die Rotation dieses Objekts gewinnen.
Die neuen Aufnahmen enthüllten: Hygiea hat einen Durchmesser von 430 Kilometern und dreht sich in 13,8 Stunden einmal um sich selbst – halb so schnell wie bislang angenommen. Die Dichte dieses Himmelskörpers und damit wahrscheinlich auch seine Zusammensetzung ist ähnlich wie bei Ceres, berichten die Forscher. Dies gilt auch für die Oberfläche des Himmelskörpers: “Unsere Analysen zeigen, dass die großräumige Topografie von Hygiea der von Ceres ähnelt – große Einschlagsbecken scheinen auf seiner Oberfläche zu fehlen”, so Vernazza und sein Team. “Das war eine echte Überraschung, da wir damit gerechnet haben, ein großes Einschlagsbecken vorzufinden, wie es bei Vesta der Fall ist.” Stattdessen scheint die Oberfläche von Hygiea weitgehend glatt.





