Einst war der Persische Leopard ( Panthera pardus saxicolor = ciscaucasica) in Vorderasien weit verbreitet, doch mittlerweile gibt es nur noch etwa 1000 Exemplare dieser besonders großen Unterart des Leoparden. Weil der Bestand weiter schrumpft, gilt die auch als Kaukasusleopard bekannte Raubkatze als stark gefährdet. Die größte in einem Schutzgebiet lebende Population gibt es im Golestan Nationalpark im Norden Irans. Doch an seinen Grenzen sorgen die Raubtiere für Ärger.
Konflikte schaden dem Tierschutz
“Risse an Nutzvieh sind häufig und nehmen zu”, sagt Studienleiter Igor Khorozyan von der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen. Sowohl dieses Problem als auch eine direkte Gefährdung von Menschen sind im Iran für Konflikte zwischen der ländlichen Bevölkerung und den großen Raubtieren verantwortlich. So kommt es immer wieder zu Fällen von Wilderei an den Leoparden. “Wir versuchen, Lösungen zur Konfliktvermeidung zu finden”, so Khorozyan. Die Wissenschaftler haben dazu nun Attacken von Leoparden auf Nutzvieh analysiert und daraus kostengünstige und sozial akzeptable Maßnahmen zum Herdenschutz abgeleitet.
“Unsere Analysen zeigen, dass der gegenwärtige Einsatz von Schäfern und Herdenschutzhunden unzureichend ist, um Leoparden von den Herden abzuhalten”, berichtet Khorozyan. Traditionell werden im untersuchten Gebiet Schafe und Ziegen bei der Weide von Schäfern begleitet, während Rinder meist alleine weiden. Die Fähigkeiten der eingesetzten Hunde zum Herdenschutz scheinen vor allem deswegen begrenzt zu sein, da im Gebiet zunehmend ungeeignete Rassen mit den zentralasiatischen Hütehunden gekreuzt werden und zudem die Ausbildung der Hunde für den Herdenschutz zunehmend vernachlässigt wird, sagen die Forscher.
Bessere Nutzung von Hunden
Ihnen zufolge besteht genau in diesem Punkt nun Verbesserungsbedarf, denn offenbar eignen sich andere Maßnahmen kaum für den Schutz vor den Leoparden. “In erster Linie müssen wir Möglichkeiten finden, wie die Fähigkeiten zum Herdenschutz bei Schäfern und Hunden wieder gestärkt werden können”, sagt Co-Autor Matthias Waltert. “Mehr als 70 Prozent der Attacken geschehen direkt vor den Augen der Schäfer.” Information und Koordination heißt deshalb nun die Devise: Die Naturschutzbiologen schlagen kostengünstige, sozial akzeptable und realistische Maßnahmen vor. Dazu gehört zum Beispiel, Schäfer im Hinblick auf eine bessere Ausbildung und Zucht geeigneter Hunde aufzuklären.
Außerdem könnte es hilfreich sein, mehrere kleinere Herden in größere zusammenzuführen sowie geeignete Weideflächen in Pufferzonen am Rande von Schutzgebieten eindeutiger zuzuweisen, sagen die Wissenschaftler. Außerdem sollten Schäfer mit geeigneten akustischen Abwehrmitteln ausgestattet werden, um zudringliche Leoparden zu vertreiben. Inwieweit diese Maßnahmen greifen, wollen die Forscher nun durch weitere Untersuchungen klären.




