Es wäre nicht das erste Mal, dass Sprossen die Mutterschiffe von EHEC-Erregern sind, weiß der Mikrobiologe: 1996 grassierte beispielsweise in Japan eine schwere Erkrankungswelle, die sich auf Radieschensprossen zurückführen ließ. Sollte sich der Verdacht nun bestätigen, sieht Kekulé gute Chancen auf Erfolg im Kampf gegen Ehec: ?Die Quelle lässt sich dann vermutlich schnell eliminieren und die Epidemie eindämmen.?
Mit kritischem Blick auf die Salat- und Gemüsetheke versuchen die EHEC-Detektive momentan den Erreger endlich dingfest zu machen. Die Behörden haben bereits vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalaten gewarnt. Jetzt scheinen die Indizien auf Sprossen als Infektionsquelle des EHEC-Erregers zu deuten, dem inzwischen 21 Menschen zum Opfer gefallen sind. Das hat Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann auf einer Pressekonferenz mitgeteilt. Laboruntersuchungen, die die Vermutung bestätigen, fehlen allerdings bisher noch. Der Mikrobiologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg erklärte im Morgenmagazin am Montag der ARD, warum ausgerechnet die Keimlinge von Bohnen, Radieschen und Co die Quelle des Übels sein könnten.
?Sprossen sind generell einer der üblichen Verdächtigen. Man hätte sie schon von Anfang an verhaften können?, betont Kekulé. Die Sprossen werden roh auf viele Speisen gestreut. Besonders problematisch sei, dass die Erreger während des Wachstums der Triebe in den Pflanzenkörper gelangen und sich nicht abwaschen lassen. Die Keimlinge werden in warmem Dampf gezogen. ?Wenn sich Erreger darin befinden, können sie sich leicht verteilen und vermehren?, erklärt Kekulé.
wissenschaft.de – Martin Vieweg





