Das „Wachregiment Felix Dzierzynski“ unterstand zunächst dem Innenministerium, kurz darauf dem Ministerium für Staatssicherheit und war für den Schutz von Regierungs- und Parteigebäuden zuständig, wurde aber auch bei Aufgaben der „öffentlichen Sicherheit“ eingesetzt, beispielsweise beim Bau der Berliner Mauer. Die ursprünglich 1000 Mann starke Truppe, für die man sich drei Jahre verpflichten musste, wurde kontinuierlich erweitert und wuchs bis kurz vor der Wende auf 11 000 Soldaten. 1967 verlieh der Generaloberst und Minister für Staatssicherheit Erich Mielke dem Regiment den Ehrennamen „Felix Dzierzynski“ anlässlich des 50. Jahrestages des sowjetischen Geheimdienstes Tscheka, dessen Chef und Gründer Dzierzynski war; ein Parteigänger Lenins, der sich für eine Vielzahl politischer Morde verantwortlich zeichnet. Das Funkstudio sendete ein buntes Programm von Belanglosem bis zu parteipolitischer Propaganda: Musikbeiträge, Berichte aus dem Wachregiment, Nachrichten sowie Ansprachen wechselten einander ab; dazwischen wurde immer wieder Felix Dzierzynski als kämpferisches Vorbild beschworen und die Regimentssoldaten an die Tugenden eines echten Tschekisten erinnert: Mut, Wachsamkeit, Parteitreue. Durch Zufall gelangte der Hörfunkjournalist und Autor Christian Blees an die Aufzeichnungen der Sendungen, die kurz nach dem Mauerfall aus dem Müll gerettet worden waren. Aus mehreren Dutzend Tonbändern stellte er Ausschnitte zu einem Hörbuch zusammen. Einer der Höhepunkte der 14 Titel umfassenden CD (Laufzeit 71 Minuten) ist sicherlich, als eines Morgens die „Freie Stimme“ des Westfunks RIAS Berlin, der im Osten gemeinhin als Spionagesender galt, über die Lautsprecher den Weg in die „feste Bastion“ fand. Ein Mitarbeiter des Funkstudios hatte am Abend zuvor die Frequenz verstellt. Die launisch heiteren Skurrilitäten aus dem Wachregiment verlieren sich allerdings keineswegs in verklärender Ostalgie. Dazu tragen besonders die Kommentare ehemaliger Regimentsmitglieder bei, die auf unterhaltsam-kritische Weise über die Bedeutung des Stasi-Radios als Begleiter im Kasernenalltag sprechen. Da private Radios verboten waren, blieb den Kameraden nur eine Alternative – abschalten.
Rezension: Benedikt Boyxen




