von SIGRID MÄRZ
Die Diagnose Brustkrebs bedeutet für die Menschen, die sie erhalten, einen massiven Einschnitt in ihr Leben. Bei Männern ist Brustkrebs selten: Eine von 100 Neuerkrankungen betrifft einen Mann. Bei Frauen dagegen ist Brustkrebs die häufigste Krebsart überhaupt. Die eine Brustkrebsdiagnose gibt es jedoch nicht. Denn Art und molekulare Ausstattung der Tumoren können vielfältig sein. Und danach richtet sich eine mögliche und in der Regel langwierige Therapie.
Ein wichtiger Tumormarker ist HER2, ein Rezeptor für den humanen epidermalen Wachstumsfaktor. Er sorgt dafür, dass sich Zellen teilen. Jeder fünfte Brustkrebs gilt als HER2-positiv, trägt also den entsprechenden Faktor. Mittlerweile gibt es gegen diese aggressive Brustkrebsform wirkungsvolle Medikamente: Antikörper wie Trastuzumab blockieren den Rezeptor. Tyrosinkinasehemmer wie Lapatinib stören den Signalweg des Wachstumsfaktors innerhalb der Zelle.
Zugleich können Tumore hormonempfindlich sein, rund zwei Drittel aller bösartigen Brusttumoren fallen in diese Kategorie. Diese Krebszellen stellen Rezeptoren für Progesteron und – weitaus häufiger – Östrogen her und werden durch die Hormone zum Wachstum angeregt.
Im Umkehrschluss bedeutet die Hormonempfindlichkeit, dass sich das Tumorwachstum verlangsamen lässt, wenn Östrogene fehlen. Früher entfernten Mediziner die Eierstöcke der Betroffenen, um die Östrogenbildung zu stoppen und den Tumoren so ihren Treibstoff zu entziehen. Alternativ zerstörte man Eierstockgewebe mittels Bestrahlung. Damit sank zwar der Östrogenspiegel im Körper, die Frauen wurden aber zugleich unfruchtbar – vor allem für Krebspatientinnen mit Kinderwunsch ein Schicksalsschlag.
Verschiedene Ansätze
Vor mittlerweile mehr als 50 Jahren kamen Medikamente auf den Markt, die die Östrogenproduktion vorübergehend stoppen und so das Tumorwachstum verlangsamen. Weil diese Wirkstoffe in den Hormonstoffwechsel eingreifen, nennen Fachleute sie endokrine oder Antihormontherapien.
Dazu gehören Analoga des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH). Diese Substanzen, etwa Goserelin und Leuprorelin, ähneln in ihrer Struktur dem körpereigenen GnRH, das über die Hypophyse die Östrogenproduktion in den Eierstöcken anregt. GnRH-Analoga stören diesen Signalweg, sodass kein oder wenig Östrogen produziert wird.
Ebenfalls zu den Antihormontherapien gehören Wirkstoffe, die die Produktion des Östrogens zwar nicht stören, aber verhindern, dass körpereigenes Hormon an die Östrogenrezeptoren der Tumoren bindet. Die bekanntesten Antiöstrogene sind Tamoxifen und Fulvestrant.





