Das klingt enorm, dabei war der Bau des LHC noch kostengünstig. Der Tunnel wurde nämlich schon Ende der 1980er-Jahre für ein früheres Experiment gegraben. Hinzurechnen müssen Sie allerdings noch Betriebskosten von etwa einer Milliarde Euro pro Jahr. Die Stromrechnung für den LHC alleine beträgt jährlich etwa 19 Millionen Euro. Das CERN beziffert die Gesamtkosten nicht, aber sie betragen bestimmt mehr als zehn Milliarden.
Lohnt sich das? Ich denke, der LHC war eine gute Investition. Versuche dort bestätigten 2012 die Existenz des in den 1960er-Jahren vorhergesagten Higgs-Teilchens. Damit war das sogenannte Standardmodell der Teilchenphysik komplett. Dank LHC kennen wir also nun alle Bausteine der Materie. Das ist schon etwas wert.
Nun möchten die Teilchenphysiker gerne einen größeren Beschleuniger, wie CERN im Juni in einer Presseerklärung bekannt gab. 100 Kilometer lang soll der Tunnel der neuen Maschine sein. Geschätzte Baukosten: etwa 20 Milliarden Euro. Teilchenphysiker wollen damit die Eigenschaften der schon bekannten Teilchen genauer bestimmen. Und vielleicht gibt es ja noch etwas Neues zu finden.
Der ehemalige wissenschaftliche Berater der britischen Regierung, Sir David King, kommentierte die Wünsche der Teilchenphysiker in einem BBC-Interview mit der Bemerkung: „Wir müssen irgendwo einen Schlussstrich ziehen, sonst haben wir am Ende einen Beschleuniger, der um den Äquator geht. Und wenn es da nicht aufhört, dann kommt vielleicht eine Anfrage für einen, der zum Mond und zurück geht.“
Pläne für einen Beschleuniger um den Äquator gibt es derzeit nicht, aber einige Teilchenphysiker haben in einem Fachartikel vorgeschlagen, einen 1900 Kilometer langen Ringbeschleuniger im Golf von Mexiko zu versenken. Wozu? Naja, man könnte damit höhere Kollisionsenergien erreichen. Vielleicht findet man dabei etwas Interessantes.
Einen Beschleuniger von der Größe der Milchstraße jedoch hält dann auch der Teilchenphysiker James Beacham, der am CERN mitwirkt, nicht für realistisch. In einem Interview mit dem amerikanischen Magazin Gizmodo erklärte er, dass leider selbst der interstellare Raum mit etwa drei Grad über dem absoluten Temperatur-Nullpunkt noch zu „warm“ sei, um die für die Beschleunigung nötigten starken Magnete supraleitend zu halten. Um den Milchstraßenbeschleuniger zu kühlen, bräuchte man daher Unmengen an flüssigem Helium, und die sind schwer zu bekommen.
Aber auch einen Beschleuniger um den Erdäquator zu bauen, wäre schwierig. Die Höhenunterschiede sind groß, und zudem pulsiert die Erde mit einer Periode von etwa 21 Minuten, denn die Erdkugel hat Grundschwingungen, die durch seismische Aktivität immer wieder angeregt werden. Auf dem Mond hingegen hätte man diese Probleme nicht. Tatsächlich taucht ein Teilchenbeschleuniger auf dem Mond in Arthur C. Clarkes Science-Fiction-Roman „Firstborn“ von 2007 auf.





