Von RALF STORK
Es gibt Lebensräume, die sind weniger anspruchsvoll als die Hochebenen Zentralasiens. Nachts und im Winter wird es dort empfindlich kalt. Und wer jemals in Höhen von 4.000 Metern unterwegs war, weiß: Die Luft ist dort so dünn, dass man selbst bei langsamstem Tempo außer Atem gerät. Die Streifengans (Anser indicus) hat sich ausgerechnet diese hohen Lagen als Lebensraum ausgesucht. Sie brütet in Tibet, Kasachstan, der Mongolei und Russland in Kolonien an Bergseen in Höhen bis zu 5.600 Metern. Dort ernährt sie sich vorwiegend von Wasserpflanzen und Gräsern. Im Winter wird es in den Hochlagen zu kalt und die Nahrung wird knapp. Deshalb ziehen die Gänse dann in tiefer gelegene Flussauen und Sümpfe in Indien, Pakistan und Bangladesch. Auf ihrer Wanderung von Nord nach Süd und wieder zurück steht ihnen aber ein unwesentliches Hindernis im Weg – der Himalaya. Den überwinden sie in der rekordverdächtigen Zeit von sieben oder acht Stunden. Obwohl ihnen tagsüber ein ordentlicher Rückenwind beim Aufstieg helfen könnte, warten die Gänse meist bis zum Abend. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die abgekühlte Höhenluft etwas dichter ist als die warme, was das Fliegen erleichtert.





