Die Wissenschaftler aus Mexiko, den Niederlanden und den USA widmen sich in ihrer Veröffentlichung der Frage, welchen direkten Einfluss der Mensch auf kurzfristige Veränderungen der Klimaentwicklung hat. Dazu ließen sie keine Simulation laufen, sondern werteten Datenreihen der letzten hundert Jahre mit neuen statistischen Methoden aus. Sie konzentrierten sich dabei auf die Temperatur und den Strahlungsantrieb – jene Veränderung in der Energiebilanz der Erde, die beispielsweise durch veränderte Sonneneinstrahlung, Aerosole in der Stratosphäre oder eben Treibhausgase verursacht wird. Den Einfluss der Strömungen im Nordatlantik, die in Zyklen von mehreren Jahrzehnten für wärmere oder kühlere Temperaturen auf der Nordhalbkugel sorgen, rechneten sie heraus.
Die resultierenden Daten zeigten, das Mitte der 1960er Jahre die drastischste Veränderung stattfand. Temperaturen und Strahlungsantrieb legten deutlich zu – getrieben durch den verstärkten Ausstoß von Treibhausgasen. Wurde es zuvor innerhalb von hundert Jahren durchschnittlich 0,3 Grad wärmer, stiegen die Temperaturen nun um ein Grad pro Jahrhundert. Die zwei Weltkriege und die Große Depression, die der Wirtschaft einen heftigen Dämpfer verpasst hatten, hatten in den Jahrzehnten zuvor zu einem verringerten CO2-Ausstoß geführt – eine Tatsache, die sich auch in der Temperaturkurve bemerkbar machte.
Warum macht die globale Erwärmung Pause?
Vor allem interessierten sich die Wissenschaftler jedoch dafür, warum die globale Erwärmung seit nahezu 20 Jahren wieder langsamer verläuft. Bisher vermuteten Klimaforscher eine Kombination verschiedener Effekte: Kurzlebige Schwefelverbindungen in der Atmosphäre dimmten das Sonnenlicht, der El-Niña-Effekt im Pazifik sorgte für Abkühlung, und die Sonnenaktivität machte gerade eine schwache Phase durch. Estrada und Co haben jedoch eine andere Vermutung: „Wir zeigen, dass die Auswirkungen des Montreal-Protokolls und veränderter landwirtschaftlichre Praktiken in Asien groß genug waren, um den langfristigen Verlauf des Strahlungsantriebs zu verändern”, schreiben sie.
Das Montreal-Protokoll verbot ab 1989 den Einsatz von Stoffen, die zum Abbau der Ozonschicht führten – namentlich Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe, kurz FCKWs. Diese Verbindungen fressen nicht nur Löcher in die Ozonschicht, sie sind auch starke Treibhausgase. Die asiatischen Bauern wiederum stellten ihre Anbaupraxis um und trugen seit Beginn der 1990er Jahre dazu bei, den weltweiten Methanausstoß zu reduzieren. Der genaue Mechanismus sei noch nicht geklärt, schreiben die Forscher, „aber er scheint mit einer Verringerung mikrobieller Quellen durch den Einsatz chemischer Düngemittel und mit einer effizienteren Wassernutzung beim Reisanbau in Asien zusammenzuhängen.”





