Interessant ist auch die Geschichte der Indienstnahme der Spiele für Propaganda‧zwecke, die das Regime mit einem zentral gesteuerten Medienapparat bewältigte. Bekannt sind bis heute Leni Riefenstahls Olympia-Filme „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“. Mindestens ebenso wichtig aber waren die anderen Medien, etwa Tageszeitungen, die illustrierte Wochenpresse – etwa die auflagenstarke „Berliner Illustrirte Zeitung“ – sowie das Radio, dessen Livesendungen über private Empfänger und durch die Ausstrahlung auf öffentlichen Plätzen ein Millionenpublikum erreichten. Kino-„Wochenschauen“ lieferten bewegte Filmbilder, und auch das Fernsehen berichtete erstmals live von den Wettkämpfen. Zentral gelenkt wurde der Medienapparat von der Presseabteilung des Olympischen Komitees, das bereits 1932 eingerichtet wurde und 1936 mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigte.
Der reichbebilderte Band Fuhrers stellt keine neuen Forschungsergebnisse vor, aber er bietet einen spannenden Einblick in ein Sportgroßereignis, das von Anfang an als politisches Spektakel des NS-Regimes geplant war. Anhand zahlreicher Beispiele schildert der Autor die enge Verflechtung zwischen Sport, Medienereignis und Politik. Er zeigt, dass das Vorhaben des Regimes, die nationalsozialistische Diktatur hinter einer Fassade von Wettkampf und Völkerverständigung verschwinden zu lassen, durchaus erfolgreich war. Die Spiele waren in der Bevölkerung populär, der deutsche Nationalismus blühte auf, und Hitlers Regime pro‧fitierte von der Massenbegeisterung.
Rezension: Dr. Anton Holzer




