Wie stark Leben und Werk eines Künstlers miteinander verwoben sein können, zeigt die Autorin und Leiterin der Abteilung Fotografie bei Sotheby´s Institute of Arts in London in ihrem Werk. Anhand von 38 Biographien bedeutender Fotografen und Fotografinnen soll die Geschichte der Fotografie zugänglicher und interessanter gemacht werden. Die Arbeitsprozesse, die zu den berühmten Fotografien und neuartigen Techniken führten, werden mit Leben gefüllt – dem Leben der Künstler.
Schön aufbereitet, beginnt jede Einzelbiografie mit einem Porträt oder einem Selbstporträt des Künstlers, seinen Lebensdaten und dem persönlichen Motto. Allein diese kurzen Informationen bieten bereits einen spannenden Eindruck von der dargestellten Person.
Das Selbstporträt von Ansel Adams beispielsweise, das den Schattenwurf seiner Kamera auf dem Stativ und seines Körpers auf felsigem Untergrund des Monument Valley zeigt, leitet das Leben und das schöpferische Werk des Agnostikers und Naturfotografen ein. Seine Technik der Visualisierung bzw. Prävisualisierung wurde als neue Kunstform betrachtet. Der vielseitig begabte Künstler, der sich für eine Karriere als Fotograf statt als Pianist entschieden hat, verglich sein Verfahren mit einer musikalischen Komposition: „Das Negativ ist die Partitur, der Abzug ist die Aufführung“.
An die gesellschaftliche Rolle der Kunst glaubte besonders Alexander Rodtschenko. Er verwendete dynamische und ungewöhnliche Perspektiven, um die Wahrnehmungsweisen zu revolutionieren. So bekam das Modell selten mit, wann das Porträtfoto geschossen wurde, während der Fotograf um die Person herumlief. 1937 entschloss sich Rodtschenko, eine neue Richtung einzuschlagen und den Faschismus – vor allem die Bereitschaft, Menschenleben der Ideologie unterzuordnen und zu opfern – zu kritisieren. Sein Widerstand gegen die offizielle Sowjetkultur drückte er durch sein fotografisches Interesse für Unterhaltungsgenres wie dem Theater, dem Ballett oder dem Zirkus aus.
Ein weiteres Beispiel gibt die Lebensbeschreibung von Yevonde Philone Cumbers. Ihr angeführtes Motto „Sei originell oder stirb“ wirkt provokativ. Die Suffragette bzw. Frauenrechtlerin war eine führende Gesellschafts- und Kunstfotografin. Ihre Arbeiten im Vivex-Farbverfahren weisen eine mutige Farbpalette und erfindungsreiche Kompositionen auf. Berühmt ist besonders ihre Serie „Göttinnen und andere“, in der sie Themen aus griechischer und römischer Mythologie interpretiert.
Rezension: Daniela Schönfeld





