von KURT DE SWAAF
Vielleicht stand ihre Existenz in den vergangenen 60 Millionen Jahren einfach unter keinem guten Stern. Irgendwann in grauer Vorzeit hatte die Evolution unter den Vorfahren der heutigen Teppichhaie eine neue Linie hervorgebracht, die Stegostomatidae. Wie viele Arten diese einst zählte, weiß niemand, am Ende hat nur eine überlebt: Stegostoma tigrinum, der Zebrahai, mitunter auch Leopardenhai genannt. Er ist der Letzte seiner Familie, erklärt die Ichthyologin Christine Dudgeon von der University of Queensland im australischen Brisbane. Alle anderen sind schon lange ausgestorben.
Vom Jäger zum Gejagten
Laut der Internationalen Naturschutzorganisation IUCN ist mittlerweile auch Stegostoma tigrinum „stark gefährdet“. Experten haben berechnet, dass der weltweite Bestand in den vergangenen Jahrzehnten um 50 bis 80 Prozent zurückgegangen ist. Wobei der Lebensraum der Zebrahaie eigentlich ein großes Gebiet umfasst: Er erstreckt sich von Südafrika entlang der ostafrikanischen und südasiatischen Küsten bis nach Japan, Australien und bis zu den Mikronesischen Inseln. Auch im Roten Meer kommen die Knorpelfische vor.
Mancherorts ist die Art allerdings bereits verschwunden, etwa in Teilen des indonesischen Archipels. Die Meeresregion wurde lange Zeit stark befischt. Haie landeten als Beifang in Schlepp- und Stellnetzen. Zudem stellte man ihnen gezielt nach, weil eine Suppe aus ihren Flossen in Teilen Ostasiens als prestigeträchtige Delikatesse gilt. Darunter litt auch Stegostoma tigrinum. 2008 beschloss die indonesische Regierung, weite Teile des Meeres rund um die Inseln Raja Ampats vor der Westspitze Neuguineas unter Schutz zu stellen; der Fang von Haien und Rochen wurde komplett verboten. Für die Zebrahaie kam das gleichwohl zu spät. Trotz intensiver Anstrengungen konnten die Experten der Naturschutzorganisation Conservation International im entsprechenden Suchgebiet nur noch drei Exemplare nachweisen. Damit dürfte die Gesamtzahl der Zebrahaie in der rund 20.000 Quadratkilometer großen Meeresregion etwa 20 betragen – zu wenig, um zu überleben, meinen die Spezialisten der IUCN. Die Knorpelfische würden sich so noch nicht einmal zur Paarung finden können. Für einen stabilen und genetisch halbwegs fitten Bestand brauche es mindestens 200 der Tiere. Um sicherzugehen, sollten es sogar 500 sein.
Nach Angaben der IUCN ist Überfischung der Hauptgrund für den globalen Bestandsschwund; Lebensraumzerstörung dürfte ebenfalls ein Faktor sein, erklärt Christine Dudgeon. Korallenriffe, Seegrasfelder und Mangrovenwälder sind wichtige Habitate für Zebrahaie, durch menschliche Aktivitäten wird diesen jedoch erheblicher Schaden zugefügt. Im Großen und Ganzen sind das dieselben Probleme, mit denen auch andere Hai-Arten zu kämpfen haben, sagt Dudgeon. Aber da könnte auch noch etwas anderes sein, fügt sie hinzu. Stegostoma tigrinum scheint von den bisherigen Schutzmaßnahmen nicht zu profitieren. Selbst da, wo man sie in Ruhe lässt, erholen sich die Populationen anscheinend nicht. Dudgeon hat dies selbst in den Meeresschutzgebieten von Raja Ampat beobachtet. Die Schwarzspitzen-Riffhaie (Carcharinus melanopterus) beispielsweise haben dort zahlenmäßig wieder gut zugelegt, berichtet sie. Auch anderen Spezies gehe es besser. Nicht so den Zebrahaien.





