DAMALS: „Kaisertum – Der Traum vom grenzenlosen Imperium“ . So lautete das Titelthema in DAMALS 09/2010. Auch eine Landesausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg widmet sich noch bis 9. Dezember 2012 diesem Thema. Nun könnte man sagen: Es gibt keine Kaiser mehr, und dieser Traum ist ausgeträumt. Warum ist die Beschäftigung mit der Kaisergeschichte dennoch weiterhin lohnend?
Schneidmüller: Wir haben immer noch mit dem Erbe der Imperien zu tun: Nachdem die Kaiser ausgestorben sind, gibt es weiterhin Weltreiche oder zumindest den Versuch, diese zu errichten. Ein Beispiel ist die langjährige Blockbildung zwischen Ost und West während des Kalten Krieges. Sowohl die damalige Sowjetunion als auch die USA versuchten, weit über die eigenen Grenzen hinaus Hegemonie auszuüben. Und sie versuchen es heute weiter. Jetzt kommt noch China als aufstrebende Weltmacht dazu.
DAMALS: Wie läuft dieser Prozess ab?
Schneidmüller: Der Drang nach Hegemonie hat mehrere Komponenten: politische, militärische, wirtschaftliche oder kulturelle. Und es geht dabei darum, weit über die Grenzen hinaus Uniformität zu schaffen. In Russland ist beispielsweise die lange Tradition des Zarismus 1917 nicht untergegangen. Ein Großreich zu leben, gehört seit Jahrhunderten zur russischen oder zur chinesischen Geschichte. Gegen solche Hegemoniebestrebungen steht der Drang nach Vielfalt – andere Staaten widersetzen sich dem Druck der Uniformität und streben nach Autonomie.
DAMALS: Von der Antike bis ins Mittelalter hat das Kaisertum einige Wandlungen durchgemacht. Welches sind die Konstanten dieses Strebens, ein Imperium zu führen und der Allerhöchste zu sein?
Schneidmüller: Das ist erstens die Vorstellung, die ganze Welt mit der eigenen Herrschaft auszufüllen. Zweitens gibt es immer andere, die sich dieser Herrschaft entziehen. Und drittens geht es darum, durch das Kaisertum die Herrschaft im Inneren zu stabilisieren.
DAMALS: Waren Kaiser glückliche Menschen?
Schneidmüller: Das war bestimmt ganz unterschiedlich. Im Triumph nach einem Sieg oder beim Festakt der Krönung werden sie glücklich gewesen sein, aber das waren seltene Momente. Im Mittelpunkt ihrer Anstrengungen stand das Bemühen, gegenüber dem Vorgänger und möglichen Nachfolgern ein eigenes Profil zu entwickeln, das sie einzigartig machte. Nehmen wir Karl den Großen und seinen Sohn Ludwig den Frommen: Für den Nachfolger war es sehr schwer und herausfordernd, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten.




