Der Berliner Althistoriker Ernst Baltrusch zeichnet in seiner detaillierten und materialreichen Biographie des jüdischen Herrschers von Roms Gnaden ein differenziertes Bild von dessen Persönlichkeit und Herrschaftsführung. Die Darstellung beruht auf den zeitgenössischen literarischen und archäologischen Quellen sowie auf der aktuellen Forschung. Der Aufbau des Buchs folgt in fünf Kapiteln den verschiedenen Identitäten des Herodes als Idumäer (Angehöriger eines Volkes, das südlich von Judäa siedelte), Römer, Jude, Hellenist und Familienvater. Zur Sprache kommen die immensen Legitimationsprobleme des Herodes aufgrund nicht-priesterlicher idumäischer Herkunft und der Versuch, seine hierdurch angreifbare Herrschaft mittels Heiratspolitik zu festigen. Versehen mit dem Titel „König, Freund und Bundesgenosse Roms“, versuchte Herodes nicht nur, in seinem Herrschaftsbereich die Politik Roms durchzusetzen, sondern auch, durch demonstrative Kaiserverehrung, Schenkungen und Baustiftungen seine unbedingte Loyalität gegenüber dem Imperator unter Beweis zu stellen.
Zu den bemerkenswertesten Bauleistungen während seiner Herrschaft gehörten die Errichtung der Hafenstadt Caesarea und die Renovierung und Erweiterung des Jerusalemer Tempels. Als markantes Beispiel für die zunehmend paranoide Persönlichkeit des römischen Klientelkönigs kann jedoch gelten, dass er gemäß dem Bericht des Josephus anlässlich eines Besuchs in Rom befahl, auf seine Frau Mariamme aufzupassen und sie als Beweis seiner Liebe zu töten, falls ihm ein Unglück geschehe.
Zwei abschließende Kapitel befassen sich mit dem christlichen Bild des Herodes und mit seinem Nachleben in der Geschichte der geistlichen und weltlichen Kunst. Unbeschadet der großen wissenschaftlichen Sorgfalt, des gründlichen Quellenstudiums und der abwägenden Analysen seines Verfassers ist die Lektüre des Buchs durchweg ein spannendes Lesevergnügen.
Rezension: Prof. Dr. Michael Tilly




