Wenn wir liebevoll mit anderen Menschen interagieren, schüttet unser Körper das Kuschelhormon Oxytocin aus. Es trägt dazu bei, dass wir uns entspannt fühlen und leichter soziale Bindungen und Vertrauen aufbauen. Zudem kann es den Spiegel an Stresshormonen senken und schmerzlindernd wirken. Manche Tierversuche haben zudem auf einen positiven Effekt bei der Wundheilung hingedeutet. Inwieweit sich dieser Effekt auch bei Menschen zeigt, war allerdings bislang unklar.
Kuscheln für die Gesundheit
Um diese Frage zu klären, hat ein Team um Ekaterina Schneider von der Universität Heidelberg 80 Paare untersucht, die über eine Woche hinweg per Nasenspray entweder Oxytocin bekamen oder ein Placebo. Zusätzlich erhielt jeweils die Hälfte der Paare die Anweisung, sich täglich in wertschätzenden Gesprächen auszutauschen und Nähe zu teilen. Zu Beginn der Studie fügten die Forschenden allen Freiwilligen kleine, oberflächliche Hautverletzungen zu und erhoben nach 24 Stunden sowie nach sieben Tagen, wie gut diese verheilt waren. Dabei wussten weder die Testpersonen selbst noch diejenigen, die die Wundheilung beurteilten, ob die jeweilige Person in der Oxytocin- oder in der Placebogruppe war.
Dabei zeigte sich: Bei Menschen, die Oxytocin erhalten hatten und sich täglich liebevoll mit ihrem Partner beschäftigt hatten, heilten die Wunden am besten. Speichelanalysen ergaben zudem, dass diese Personen einen besonders niedrigen Spiegel des Stresshormons Cortisol aufwiesen. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Paaren, die zusätzlich regelmäßig intime Zärtlichkeit teilten und sexuell aktiv waren. Oxytocin allein oder wertschätzende Gespräche ohne zusätzliches Oxytocin hatten dagegen keine messbaren Effekte.
Verbindung zwischen Verhalten und Hormonen
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Zuwendung im Alltag messbare Effekte auf den Körper hat. Sie beschleunigt in Kombination mit Oxytocin sogar die Heilung kleiner Wunden“, sagt Schneiders Kollegin Beate Ditzen. „Das verdeutlicht, wie eng Verhalten und Hormonsystem zusammenarbeiten und wie stark dieses Zusammenspiel die körperliche Gesundheit in nahen, liebevollen Beziehungen beeinflussen kann.“
Als eigenständiges Heilmittel eignet sich Oxytocin den Forschenden zufolge aber nicht: „Unsere Daten stützen die Ansicht, dass Oxytocin eher als sozialer Verstärker denn als eigenständiges Therapeutikum wirkt“, erklären sie. Zudem weist das Team darauf hin, dass es sich bei allen Freiwilligen um junge, gesunde Personen in heterosexuellen Paarbeziehungen handelte. Um weitere Einblicke zu erhalten, inwieweit Nähe und Oxytocin auch in klinischen Kontexten die Gesundheit fördern können, sind größere Studien erforderlich.





