Heinrich II. war erfüllt von seinem göttlichen Auftrag, und seine gesamte Rolle im Ordnungsgefüge des Reiches war davon bestimmt. Er stand nicht einem Staatswesen vor, sondern war Oberhaupt einer übergreifenden Gemeinschaft, in der sich die Menschen nach den Vorgaben der Kirche (ecclesia) einzurichten suchten.
Durch die göttliche Beauftragung war es die Aufgabe des Königs, diejenigen, die in der irdischen Gemeinschaft eine leitende Funktion auszuüben hatten, im Sinne eines heilbringenden Zusammenwirkens zu stärken oder anzuleiten und den göttlichen Geboten zur Durchsetzung zu verhelfen. Die politische Ordnung war also darauf ausgerichtet, etwas Umfassenderes zu regeln und zu lenken als ein “Staatswesen”. In diesem Sinne war der König “Mittler zwischen Kirche und Welt”, wie es im Ordo, dem liturgischen Formelbuch, für die Königskrönung heißt.
Schon vor seiner Königszeit hatte Heinrich als Herzog von Bayern seine Herrschaft ganz in den Dienst Gottes gestellt. Als er 995 von seinem Vater, Heinrich dem Zänker, das bayerische Herzogtum übernahm, verfolgte er konsequent das Ziel einer kirchlichen und klösterlichen Reform. Dafür war er am Hof seines Vaters in Regensburg bestens vorbereitet worden. Regensburg stellte im Reich dieser Zeit den einzigen Ort dar, den man als Hauptstadt ansprechen könnte. Die karolingischen Herrscher hatten hier ihre Pfalzen errichtet, und um das Jahr 1000 war die Zentralfunktion dieser Stadt so gewichtig, daß alle Bischöfe und mächtigen Adelshäuser Bayerns hier einen Hof unterhielten.
In Regensburg hatte sich gegen Ende des 10. Jahrhunderts ein kirchlich-monastisches Reformzentrum von ungewöhnlicher Wirkung herausgebildet. Von ihm wurde auch der junge Herzog zutiefst geprägt. Heinrich, 973 geboren, war in seinen ganz frühen Jahren bei Bischof Abraham, einem Freund der Herzogsfamilie, an der Domkirche von Freising aufgezogen und unterrichtet worden. Auch in Hildesheim wird er später manches in den theologischen Wissenschaften gelernt haben. Aber entscheidend beeinflußt wurde er in Regensburg. Dorthin kam er um 985, im Alter von etwa 12 Jahren, und wurde dem berühmten Bischof Wolfgang von Regensburg anvertraut. Wolfgang spielte für Regensburg eine äußerst wichtige Rolle. Er baute die dortige Kirche völlig um, so könnte man sagen. Insbesondere kam es ihm darauf an, Mönche und Kleriker voneinander zu trennen, um die Mönche ganz auf ihr gottgeweihtes, vollkommenes Lebensideal zu konzentrieren. Dieses Mönchsideal höchster Frömmigkeit war vom lothringischen Kloster Gorze ausgegangen; Wolfgang hatte es in Trier kennengelernt, wo es sich im Kloster St. Maximin zu besonderer Blüte entfaltet hatte. Aus diesem Kloster ließ der Bischof einen alten Bekannten nach Regensburg nachkommen: Ramwold, der 974 als erster Abt die Leitung des reformierten Klosters St. Emmeram in Regensburg übernahm. Damit wurde die Trierer Ausformung der frömmsten Lebensweise, die man im Reich damals antreffen konnte, nach Regensburg verpflanzt, in das Zentrum des königlichen Herzogs von Bayern.




