Dies soll hier jedoch nicht weiter aufgeschlüsselt werden. Vielmehr soll es angesichts dieses Satzes um die Frage gehen: Wie steht es mit dem Altern? Schließlich gehört Altern eindeutig zur Biologie, doch welchen Sinn erhält es „im Lichte der Evolution“? Warum altern Organismen? Bekanntlich setzen sich im ewigen Wechselspiel der Organismen zwischen Variation und Selektion nur jene Entwicklungen dauerhaft durch, die der Population eine höhere reproduktive Fitness bringen. Das Ideal müssten demnach Organismen sein, die immer länger reproduktiv und auch ansonsten hundertprozentig fit bleiben – und dann einfach tot umfallen. Also ohne einen Alterungsprozess, wie wir ihn kennen, mit langwierigem Verfall körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit.
Bis auf wenige Ausnahmen wie etwa den Nacktmull altern Organismen aber nicht derart ideal. So gut wie alle Lebewesen sterben entweder nach kurzer und heftiger reproduktiver Phase sehr früh ohne erkennbares Altern: Eintagsfliege und Co. lassen grüßen. Oder aber sie altern wie wir mit fortschreitendem Fitness-Verlust und ohne weiteren nennenswerten reproduktiven Beitrag.
Welchen Sinn kann also Altern – oder wissenschaftlich: die Seneszenz – im Lichte der Evolution haben? Brachten die Gealterten irgendwann doch unschätzbare Vorteile für ihre Population? Hat das Altern womöglich sogar per se einen adaptiven Sinn?
Altes Genmaterial bremst Evolution
So ähnlich muss 1889 der deutsche Arzt, Genetiker und Zoologe August Weismann gedacht haben, als er versuchte, Darwins Evolutionstheorie mit dem biologischen Phänomen des Alterns unter einen Hut zu bringen. Damals kam er zu dem Schluss, dass das Altern fest in den Lebensprozess einprogrammiert sein müsste. Und als Zweck dieser Programmierung räsonierte er, dass „die Alten den Jungen immer wieder rechtzeitig Platz machen müssen“, um einen hinreichend schellen Turnover im Gen-Pool aufrecht zu erhalten, den eine Population für ihre evolutionären Anpassungsleistungen braucht. Wäre dies nicht der Fall, würde die Population immer mehr „veraltetes“ genetisches Material anhäufen, was irgendwann deren notwendige Adaption an eine sich verändernde Umwelt ausbremsen würde. So gesehen würde der Alterungsprozess also tatsächlich per se einen Selektionsvorteil darstellen.
Damit lieferte Weismann zwar einen möglichen „Sinn im Lichte der Evolution“ für das Altern. Doch konnte es sich tatsächlich deswegen etabliert haben? Schließlich würde dieser Sinn den Individuen einer Population ja keinen unmittelbaren Vorteil liefern, sondern sich erst langfristig in der Gruppe manifestieren.
Gruppenselektion
Ob eine solche Gruppenselektion in der wirklichen Welt überhaupt wirkt, ist jedoch bis heute umstritten. In der Theorie postuliert diese jedenfalls, dass das selbstlose Verhalten von Individuen zwar nicht ihnen selbst, dafür aber der gesamten Population nützen kann. Demnach verhalten sich Individuen hauptsächlich deswegen altruistisch, weil dies für die gesamte Gruppe die Chancen auf Fortpflanzung erhöht. Und dadurch würde letztlich auch die Vermehrung der Erbanlagen des altruistischen Individuums gefördert – wenn auch konkret durch die anderen, genetisch analogen Individuen der Gruppe.





