In einem Museum in Bolivien sind amerikanische Paläontologen auf 13 Millionen Jahre alte Fossilien eines bisher unbekannten Huftiers gestoßen, das aussah wie eine Mischung aus Hase und Hund. Es gehörte zu einer mittlerweile ausgestorbenen, sehr vielfältigen Gruppe von Huftieren, die insgesamt viele Millionen Jahre den südamerikanischen Kontinent bevölkerten. Die Überreste des nun identifizierten Vertreters der Gruppe, dem die Forscher den Namen Hemihegetotherium trilobus gaben, stammen aus dem bolivianisch-argentinischen Grenzgebiet und wurden in einer Höhe von 3.500 Metern entdeckt.
Das neuentdeckte Tier gehörte zur Ordnung der so genannten Notoungulata, die kurz nach dem Verschwinden der Dinosaurier in Südamerika auftauchten und sich innerhalb von etwa 50 Millionen Jahren in viele hundert Arten aufspalteten. Mittlerweile sind alle diese Huftiere ausgestorben, die letzten wahrscheinlich vor etwa 10.000 Jahren. Dank der weiten Verbreitung der Tiere existieren heute noch sehr viele Fossilien der Notoungulata, die zum Teil sehr gut erhalten sind.
Bei einer Untersuchung solcher Überreste im Nationalmuseum für Naturgeschichte in La Paz stieß der Paläontologe Darin Croft bei einigen Fossilien auf ungewöhnliche Merkmale, darunter die Form der unteren Backenzähne: Im Gegensatz zu anderen, bereits zugeordneten Notoungulata-Exemplaren zeigte das analysierte Tier drei ausgeprägte Ausbuchtungen an seinen Backenzähnen. Außerdem waren die Zähne sehr lang und besaßen keine Wurzeln. Später entdeckten die Forscher noch weitere Unterschiede zu anderen Notoungulata, so dass sie das Tier einer eigenen Art zuordneten.
Hemihegetotherium trilobus war wahrscheinlich etwa so groß wie ein Beagle, hatte aber auch Ähnlichkeit mit einem Kaninchen, schließen die Paläontologen aus dem Fund. So legen seine wurzellosen Zähne beispielsweise nahe, dass sie wie bei heutigen Nagetieren das ganze Leben hindurch wuchsen. Gefressen hat das kleine Huftier wohl hauptsächlich Gras und andere Pflanzen, die dicht am Boden wuchsen. Die Wissenschaftler vermuten außerdem, dass das Huftier auf offenem Gelände lebte, sich möglicherweise aber auch Höhlen graben konnte. Die Entdeckung zeige, wie wichtig es sei, Museumssammlungen ständig neu zu analysieren, kommentieren die Paläontologen. Dank des Fundes könne nun eine Lücke in der Geschichte der Notoungulaten geschlossen werden.
Darin Croft (Case Western Reserve University School of Medicine, Cleveland) und Federico Anaya (Universidad Autónoma Tomás Frías, Potosí): Journal of Vertebrate Paleontology, Bd. 26, S. 387 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





