Hantaviren und Infektionen mit diesen viralen Erregern sind keine Seltenheit, denn diese einsträngigen RNA-Viren kommen weltweit vor – auch in Deutschland. Typischerweise nutzen die Viren verschiedene Nagetierarten als Reservoirwirte. Je nach Region und Wirtsart haben sich unterschiedliche Stämme des Virus entwickelt. Der Name „Hantavirus“ leitet sich vom koreanischen Fluss Hantan-gang ab, an dem während des Koreakrieges Anfang der 1950er Jahre mehrere tausend Soldaten an einem schwer verlaufenden hämorrhagischen Fieber erkrankten. Als Urheber erwies sich später das Hantavirus.
Was ist auf dem Kreuzfahrtschiff passiert?
Das niederländische Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ war mit 88 Passagieren und Besatzung an Bord vor rund drei Wochen von Ushuaia im Süden Argentiniens aus über den Atlantik in Richtung der Kapverdischen Inseln vor Westafrika gestartet. Am 10. April erkrankte ein Passagier schwer, bei ihm wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation eine Infektion mit einem Hantavirus nachgewiesen. Inzwischen sind drei Menschen an Bord gestorben, einer wird intensivmedizinisch betreut.
Zurzeit liegt das Kreuzfahrtschiff vor dem Hafen der kapverdischen Hauptstadt Praia, soll aber hzu den Kanaren weiterfahren. Nach WHO-Angaben ist noch nicht eindeutig geklärt, ob alle Toten und Verdachtsfälle tatsächlich mit dem Hantavirus infiziert sind. „Entscheidend wird die virologische Bestätigung und Sequenzierung sein“, erklärt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. „Das ist ein außergewöhnliches Infektionsgeschehen, das man in dieser Form auf einem Kreuzfahrtschiff nicht erwarten würde.“

Wie werden Hantaviren übertragen?
„Hantaviren werden normalerweise durch infizierte Nagetiere übertragen“, erklärt Schmidt-Chanasit. „Die Infektion des Menschen erfolgt typischerweise durch Einatmen von erregerhaltigem Staub, der mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere kontaminiert ist, oder durch direkten Kontakt mit solchen Ausscheidungen. Der Mensch ist bei den meisten Hantaviren ein Fehl- beziehungsweise Endwirt, sodass keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfindet.“





