Schwere Erdbeben treten vor allem an so genannten Subduktionszonen auf. Das sind Plattengrenzen, an denen die ozeanische Erdkruste zum Beispiel unter einen Kontinent abtaucht. Gegenden, an denen das Schwerefeld der Erde eingedellt ist, sind offenbar besonders gefährdet, berichten amerikanische Forscher im Journal Science (Bd. 301, S. 630).
Die Schwerkraft der Erde ist nicht an jedem Ort auf der Oberfläche gleich groß, sondern hängt von der Verteilung der Masse im Erdinneren ab. Die Meeresoberfläche hat daher je nachdem, wo sich im Erdmantel dichteres oder weniger dichtes Material befindet, Dellen und Beulen. An den Subduktionszonen befinden sich oft Tiefseegräben, an denen das Schwerefeld nach innen eingedellt ist.
Teh-Ru Alex Song und Mark Simons vom California Institute of Technology in Pasadena fanden nun mit Hilfe von Erdbebenkatalogen heraus, dass die drei stärksten Beben des 20. Jahrhunderts allesamt an Subduktionszonen mit negativer Schwereanomalie auftraten. Insgesamt entlud sich an solchen Abschnitten der Subduktionszonen zehn Mal mehr Erdbebenenergie als an Stellen, an denen die Schwerkraft größer ist als gewöhnlich.
Die umgekehrte Schlussfolgerung gilt jedoch nicht, schreiben die beiden: Nicht alle Abschnitte mit geringer Schwerkraft werden von starken Beben heimgesucht. Die Forscher vermuten, dass zwischen den Schwereanomalien und dem Aufbau von Spannungen in der Erdkruste ein Zusammenhang besteht.
Da sich die Schwereanomelien nur langsam im Zeitraum von einigen Millionen Jahren ändern, gehen Song und Simons davon aus, dass sich schwere Erdbeben über längere Zeit an bestimmten Abschnitten von Subduktionszonen konzentrieren. Sie wagen daher Prognosen, wo es in Zukunft ruhig bleibt und wo nicht.
Die drei größten Erdbeben des 20. Jahrhunderts ereigneten sich 1960 in Chile (Magnitude 9,5), 1964 in Alaska (Magnitude 9,2) und 1952 in Kamtschatka (Magnitude 9,0).
Ute Kehse





