Ludwig van Beethoven wurde 1770 in Bonn geboren und fiel schon früh durch sein musikalisches Talent auf. Es folgte eine steile Karriere als Pianist und Komponist. Doch um 1799 entwickelte Beethoven eine fortschreitende Schwerhörigkeit, die durch schleichenden Hörverlust, Tinnitus und schließlich Taubheit gekennzeichnet war. Sie zwang den Komponisten dazu, mit etwa 40 Jahren seine Musikerkarriere aufzugeben und sich nur noch auf das Komponieren zu konzentrieren, was jedoch ebenfalls durch die Taubheit erschwert wurde. Doch der Hörverlust war nicht das einzige Leiden, das Beethoven plagte: Schon in seinen Bonner Jahren litt der Komponist unter “elenden” Magen-Darm-Beschwerden mit Durchfällen und schmerzhaften Koliken, die sich in Wien fortsetzten und verschlimmerten. Ab dem Sommer 1821 kamen noch Leberprobleme hinzu: Der Komponist erkrankte mehrfach an Gelbsucht und entwickelte wahrscheinlich eine Leberzirrhose. Sie gilt auch als die wahrscheinlichste Ursache für seinen Tod im Alter von nur 56 Jahren.

Fünf der acht Haarlocken sind authentisch
Seither haben Mediziner und Historiker immer wieder versucht herauszufinden, welche Krankheiten hinter den schweren Leiden Beethovens steckten. Auch der Komponist hoffte auf Aufklärung: 1802 bat er seine Brüder in einem Brief, seine Krankheit nach seinem Tod durch seinen Arzt untersuchen zu lassen und das Ergebnis zu veröffentlichen. Doch trotz Auswertung zahlreicher historischer Dokumente, einem Autopsiereport und sogar zwei Exhumierungen in den Jahren 1863 und 1888 gab es keine eindeutigen Diagnosen – weder für die Schwerhörigkeit und Verdauungsbeschwerden noch für die Todesursache. Um mehr Klarheit zu schaffen, hat nun ein internationales Forschungsteam um Erstautor Tristan Begg von der University of Cambridge acht Haarlocken genetisch untersucht, die von Ludwig van Beethoven stammen sollen und die in öffentlichen und privaten Sammlungen aufbewahrt werden.
Die DNA-Analysen enthüllten, dass fünf der acht Haarlocken vom selben Individuum stammen – einem Mann mit europäischer Herkunft und genetischen Übereinstimmungen mit Menschen in Nordrhein-Westfalen – der Geburtsregion des Komponisten. Die DNA der Haarproben zeigte zudem eine für eine Herkunft aus dem 19. Jahrhundert typische Degradierung. Das Team wertet dies als Beleg dafür, dass es sich bei diesen fünf Haarlocken tatsächlich um Haare von Ludwig van Beethoven handelt. Eine der drei anderen Haarlocken, die der 15-jährige Musiker Ferdinand Hiller kurz nach dem Tod des Komponisten von dessen Kopf abgeschnitten haben soll, erwies sich hingegen als das Haar einer Frau. “Da wir jetzt wissen, dass die ‘Hiller-Locke’ von einer Frau und nicht von Beethoven stammt, trifft keine der früheren Analysen, die ausschließlich auf dieser Haarprobe basieren, auf Beethoven zu”, sagt Begg. Damit ist auch die auf Analysen dieser Haare beruhende These entkräftet, nach der Beethoven an einer Bleivergiftung gelitten haben soll: Da die Haare nicht von ihm stammten, trifft auch die Diagnose nicht zu.





