Mit einem Verfahren, künstliche Haut aus körpereigenen Haarwurzelzellen zu züchten, arbeiten neuerdings Forscher am Leipziger Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI. Gemeinsam mit dem Biotech-Unternehmen Euroderm stellen die Labormediziner jetzt in einer neuen Reinraumanlage Hautgewebe zur Transplantation auf chronische Wunden her. Damit ergeben sich neue Behandlungsmöglichkeiten zum Beispiel für Diabetiker, die an offenen Beinen leiden. Bisher verpflanzen Ärzte Eigenhaut, die meist aus dem Oberschenkel des Patienten entnommen wurde. Dabei bleiben sowohl an der Entnahmestelle als auch an der behandelten Wunde Narben zurück. Mit dem neuen Verfahren wächst die Haut dagegen narbenfrei an, außerdem ist die Behandlung schmerzfrei. Zudem kann die Transplantation ambulant erfolgen, und schon nach kurzer Zeit ist erkennbar, ob die neue Haut anwächst. Nach etwa 72 Tagen ist sie von der übrigen Haut nicht mehr zu unterscheiden.
Um die künstliche Haut zu züchten, werden dem Patienten zunächst einige Haare aus dem Hinterkopf ausgezupft. Aus den Haarwurzeln extrahieren die Forscher adulte Stammzellen, die sie dann im Labor rund zwei Wochen lang in einer Zellkultur vermehren. Danach wird das Volumen der Nährflüssigkeit gerade so weit reduziert, dass die Zelloberflächen mit der Luft in Kontakt kommen. „Der erhöhte Sauerstoff-Partialdruck in der Luft lässt die Stammzellen zu Hautzellen differenzieren”, erklärt Euroderm-Geschäftsführer Andreas Emmendörffer. Auf diese Weise lassen sich viele kleine Hautstücke züchten, sodass für jede Wunde eine quasi maßgeschneiderte Haut hergestellt werden kann. Möglich sind dabei Flächengrößen zwischen 10 und 100 Quadratzentimetern.
Um Verunreinigungen zu vermeiden, nutzen die Wissenschaftler am IZI für das Verfahren eine spezielle Reinraum-Anlage, die den neuesten Sicherheitsbestimmungen entspricht und in der kontinuierlich die Anzahl der Partikel in der Luft gemessen wird. Ab einer bestimmten Konzentration ertönt ein Alarmsignal. Die Forscher hoffen, mit ihrer neuen Therapie bereits in diesem Jahr monatlich bis zu 20 Patienten behandeln zu können.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





