Das von Ihnen genannte wissenschaftliche Institut der AOK schreibt nicht wirklich objektive, echte Wissenschaft, das weiß jeder, der sich ein bisschen in der Gesundheitspolitik auskennt. So liest sich auch der Artikel — nämlich als Presseerklärung der AOK. Die Studien, von denen in diesem Artikel gesprochen wird, sind von den wirklichen Experten längst widerlegt.
Mit welchem Hintergedanken die AOK derartige Falschmeldungen in die Welt setzt, liegt eigentlich auf der Hand: Man möchte verunsichern und dazu veranlassen, dass das Kassenmitglied sich derartige Präparate nicht mehr verschreiben lässt. Dass Hormonpräparate nicht nur typische Wechseljahresbeschwerden verhindern, sondern wesentlich mehr, zum Beispiel Osteoporose und bestimmte Krebsarten, davon spricht die AOK nicht.
Gott im Gehirn
Heft 7/05
Welche Erleichterung, nun kann ich endlich ohne Gott leben und mich dennoch als vollständig begreifen. Ich begann in der Jugendzeit nach Gott zu suchen, fand ihn nicht und fühlte mich jenen, die in dem Glauben lebten, unterlegen und unfertig. Gegenüber allen Gläubigen, gleich welcher Konfession, empfand ich große Hochachtung und Ehrerbietung. Laut Test bin ich kaum spirituell veranlagt, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht hohe Ehrfurcht, Freundlichkeit und Empathie zu den Mitbewohnern dieses Planeten empfände.
Ich fühle mich, unter anderem auch durch den erwähnten Beitrag, wirklich befreit und von sinnloser Suche nach einem höheren, verantwortlichen Wesen erlöst.
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer großartigen Neurotheologie-Titelgeschichte! Ich frage mich immer wieder, wie es Wissenschaftsjournalisten schaffen, mit einer derartigen Breite an Themen zurechtzukommen, und das mit jeweils beachtlicher Tiefe und mit Schmiss.
Der Hang des Menschen zum Übersinnlichen, Irrationalen, zum „ Glauben”: genetisch im Gehirn fixiert? Dies ist ein interessanter Aspekt im Hinblick auf die Beantwortung der Frage in Arno Schmidts „Alexander”-Erzählung aus den Fünfzigerjahren, wie es wohl komme, dass die Menschen wieder fasziniert hinter „Führern”, an die sie „glauben”, herlaufen in ihr eigenes Verderben. In Schmidts Erzählung wird eine sehr einfache „Antwort” auf diese Frage gefunden, und die lautet: eine Isophrene (Linie gleicher Blödheit), die „unterschiedslos alle Menschen und Völker” verbindet, sei die Ursache für dieses menschliche Verhalten und damit für alle unbegreiflichen Grausamkeiten in der menschlichen Geschichte.
Diesen Aspekt sollten die Neurowissenschaftler untersuchen. Die Fixierung auf die Frage „Gott im Gehirn?” lenkt vom Wesentlichen der Schicksalsfrage ab: Ist unser Handeln wider die Vernunft in unseren Gehirnen eingebaut?
In Ihrem Beitrag ist angegeben, dass man durch Reizung von bestimmten Hirnteilen Erfahrungen wie etwa sich selbst von oben sehen oder ein Stück Lebensfilm von sich sehen kann. Was der Experimentator versäumt hat, ist eine Untersuchung, ob das stimmt, was man sieht. Man hätte also dem Menschen, mit dem man experimentiert, sagen sollen, er soll, wenn er sich selbst von oben sieht, schnell in diesem Zustand in ein anderes Zimmer schweben und nachsehen, was dort los ist und dann davon berichten. Es muss ein Zimmer sein, das der Betreffende vorher nicht gesehen hat und also auf normale Weise nicht sehen hat können.
Ich finde, dass es ein Fehler der Wissenschaft ist, spirituelle Erlebnisse immer auf nichtspirituelle Weise erklären zu wollen. Doch das scheint zum guten Ton zu gehören, um einen Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichen zu können.
Funkender Frischkäse
Heft 6/2005
Die schöne neue Welt, in der offen oder verdeckt angebrachte RFID-Chips in allen Lebenslagen Daten zu Bewegungsmustern und Konsumgewohnheiten von Menschen liefern, mag ja für einige Leute in Politik und Wirtschaft aus den unterschiedlichsten Motiven verlockend wirken. Für einen mit den Möglichkeiten dieser Technik vertrauten Beobachter tun sich aber wahre Horrorszenarien auf, die jederzeit Realität werden können, wenn nicht eine wache und aufgeklärte Öffentlichkeit dem massenhaften Einsatz und dem daraus mit absoluter Sicherheit folgenden Missbrauch der Funkchips einen Riegel vorschiebt.
Diese Gefahren kommen in Ihrem Artikel nicht einmal am Rande vor, stattdessen seitenlange Lobeshymnen über den – in einigen Bereichen sicher unbestrittenen – Nutzen der Technologie. Technik existiert nicht im luftleeren Raum. Eine qualifizierte Auseinandersetzung damit ist zur Beurteilung des Nutzens und der Risiken und mithin zur Bildung einer fundierten Meinung unabdingbar. Ihr Artikel liefert dafür keinerlei Ansatz. Selbst Hinweise auf die massenhaft im Internet verfügbaren Informationen fehlen.
Helfer unter Verdacht
Heft 5/2005
Die angegebene Darstellung von autistischen Menschen, also Ihr Kasten „Autisten — in sich eingeschlossen”, ist in einer Weise vom tatsächlichen Wissen sowohl der Forscher wie der Praktiker entfernt, dass es einfach nur peinlich ist. Um einige Korrekturen anzugeben: Etwa 50 Prozent der autistischen Menschen können tatsächlich nicht sprechen, 50 Prozent können allerdings sprechen. Nach allen Forschungen ist die Störung tatsächlich genetisch bedingt (das heißt nicht unbedingt, dass sie vererbt wird, Herr Paulus sollte da bei Herr Prof. Poustka in Frankfurt nachfragen).
Erkrankungen der Mutter während der Schwangerschaft an Röteln stehen tatsächlich im Verdacht, Autismus mit auszulösen, Alkohol allerdings ist allen von uns befragten Fachleuten nicht bekannt gewesen, solche subtilen Verleumdungen der betroffenen Familien sollten einer angesehenen Zeitschrift unwürdig sein.
Im Artikel stand, dass Autisten „bestenfalls unpersönlich” sprechen. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie drücken es so aus: „ Stereotype, repetitive oder idiosynkratische sprachliche Äußerungen … kein sprachlicher Austausch im Sinne einer informellen Konversation”.
Fritz Poustka spricht im Interview mit der „Zeit” (29.7.04) ebenfalls von Vererbung: „In Zwillingsstudien hat sich gezeigt, dass der Autismus zu 90 Prozent vererbt wird und zu 10 Prozent auch andere Einflüsse beteiligt sind.”
Der Hinweis auf den Risikofaktor Alkohol ist selbstverständlich nicht in verleumderischer Absicht ausgedacht, sondern geht auf Patricia Rodier vom University of Rochester Medical Center zurück. Beispielsweise sagte sie gegenüber der Zeitung „USA today” (18. Mai 2004): „Einige Substanzen, die bekanntermaßen Geburtsfehler verursachen wie das Röteln-Virus und Alkohol, erhöhen auch das Autismus-Risiko.” Der Umkehrschluss, dass die Mutter eines autistischen Kindes Alkohol missbrauchen würde, ist natürlich unzulässig. Er wurde im Artikel auch nicht gezogen.
Dr. Reinhard Rausch, Osterode
Ohne Titel
„Österreich liegt dort, wo die Sonne aufgeht. Montafon liegt jedoch im Westen von Österreich”, schreibt uns Walter Kaiserseder aus dem österreichischen Braunau, weil wir im Beitrag „Mauern wie in Mykene” den Bartholomäusberg in die österreichischen Ostalpen gesteckt haben.
Wir geloben Besserung und haben bereits gehandelt. Seit wenigen Wochen hat bdw ein Redaktionsmitglied, das in Salzburg studiert hat – und künftig auch streng darüber wacht, dass wir in der Geografie unseres Nachbarn Ordnung halten.





