von KLAUS SIEG
Mit fast 10.000 Anlagen ist die Biogasbranche in Deutschland weltweiter Spitzenreiter. Die Technologie der Biogasnutzung bietet viele Vorteile. Mit ihr lässt sich in Blockheizkraftwerken (BHKW) auch dann „grüner“ Strom erzeugen, wenn Dunkelflaute herrscht, wenn also Windkraftanlagen oder Solarkraftwerke stillstehen. Außerdem lässt sich Biomethan, das durch die Aufbereitung von Biogas entsteht, in das Netz einspeisen – als Ersatz für fossiles Erdgas. In Dänemark zum Beispiel beträgt der Anteil von Biomethan aus heimischer Produktion am gesamten Gasverbrauch rund 40 Prozent. Tendenz: steigend. Die Vergärung von Gülle und Mist verhilft dem skandinavischen Nachbarn so zu Energiesouveränität.
Allerdings: Trotz dieser Vorteile ist der Zubau von Biogasanlagen in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. Biomethan speisen nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (Dena) hierzulande gerade einmal rund 250 Anlagen ins Gasnetz ein. Außerdem steht Biogas wegen des Anbaus von Energiepflanzen wie Mais in Monokultur in der Kritik. „Es sollten unbedingt verstärkt organische Abfälle als Substrat in Biogasanlagen genutzt werden, so wie es bereits mit Klärschlamm und Gülle geschieht“, meint Brigitte Kempter-Regel, die am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) in Stuttgart forscht.
Das könnten Abfälle aus der Lebensmittelindustrie sein oder die organischen Anteile von Siedlungsabfällen. Darüber hinaus würde bei der Stromproduktion mit Biogas in Blockheizkraftwerken nur selten auch die dabei anfallende thermische Energie genutzt, etwa durch die Einspeisung in Wärmenetze.
Hinterfragt wird auch die Klimabilanz der Technologie, vor allem wegen des Austritts von Methan aus Biogasanlagen – einem der klimaschädlichsten Treibhausgase. Methan emittieren auch die Gärreste der Anlagen. Vor Kurzem geriet die Branche deshalb ins Visier der Deutschen Umwelthilfe (DUH).
Ein Ziel: Methanschlupf vermeiden
Die Betreiber von Biogasanlagen sind nach einer neuen Verordnung der Europäischen Union (EU) verpflichtet, den sogenannten Methanschlupf zu kontrollieren und zu reparieren. Einer Studie im Auftrag der EU von 2024 zufolge sind die Gründe für Methanschlupf unter anderem das Anlagendesign, technische Mängel sowie Fehler in der Bedienung. Die gute Nachricht: Methanschlupf lässt sich weitgehend vermeiden. Das haben unter anderem Forscher des Deutschen Biomasseforschungszentrums und der Universität Stuttgart herausgefunden, die in einem internationalen Verbundprojekt die Emissionen an 37 Biogasanlagen in Deutschland, Österreich, Schweden und der Schweiz gemessen haben.
Wie das gelingen kann und wie sich die Produktion von Biogas künftig führen lässt, zeigt eine Anlage in Großbritannien, rund 40 Kilometer östlich von Nottingham. Seit Anfang 2025 entsteht hier Biomethan mit einer Klimagasbilanz fast auf dem Niveau von Photovoltaik und Windkraft. Zudem produzieren die Betreiber das Biomethan subventionsfrei und verkaufen es an den Pharmakonzern AstraZeneca.





