Sauerstoff in der Atmosphäre
Wissenschaftler des Keck-Observatoriums auf Hawaii haben das Schimmerlicht, das von der Nachtseite der Venus abgestrahlt wird, in seine Bestandteile zerlegt. Dabei haben sie zu ihrer Überraschung eine Spektrallinie entdeckt, die offenbar von atomarem Sauerstoff herrührt, berichtet der Astronom T.G. Slanger und sein Team in der neuen Ausgabe des Magazins “Science”. Licht von atomarem Sauerstoff findet man auch im Polarlicht der Erde, doch lange nicht in der Intensität wie bei der Venus. Das grünliche Licht des Sauerstoffs stammt aus der oberen Venus-Atmosphäre, in der Sauerstoff nur in geringen Mengen vorkommt.
Neben dem Spektrallicht von einzeln vorkommenden Sauerstoffatomen fanden die Wissenschaftler auch Licht, dass von Sauerstoff-Molekülen stammt. Die Spektrallinien haben zudem eine Intensität, die der Leuchtkraft entsprechender Linien im Licht der Erdatmosphäre entspricht.
Die Forscher rätseln nun, welches die physikalischen und chemischen Prozesse sind, die für die kräftigen Spektrallinien verantwortlich sind. Sie vermuten, dass es eine Beziehung zwischen dem Licht des atomaren und molekularen Sauerstoffs gibt: Wenn zwei Sauerstoffatome sich zu einem Molekül zusammenschließen, geben sie etwas Licht ab. Diesen Vorgang können Forscher auch in der Erdatmosphäre beobachten. Während auf der Erde der Prozess jedoch eine Vielzahl von Spektrallinien erzeugt, gibt der Sauerstoff der Venus-Atmosphäre nur eine markante Linie ab.
Die Forscher gestehen ein, dass sie ihre Beobachtungen nicht erklären können. Sie warnen jedoch vor einer vorschnellen Interpretation ihrer Daten: “Die grünen Linien deuten nicht auf eine sauerstoffreiche Atmosphäre hin.”
Axel Tillemans





