Eigentlich hätte dafür damals Zwangsabstieg in die Bezirksliga stehen sollen. Denn nicht zuletzt wegen solcher Aktionen glauben bis heute ziemlich viele Leute die Mär von den Haien, die keinen Krebs bekommen. Ein Irrglaube, der unter anderem mit dafür sorgte, dass die Hai-Bestände in nordamerikanischen Gewässern bis 2010 um rund 80 Prozent abnahmen. In dieser Zeit erlegten gewisse Firmen dort rund 200.000 Haie pro Monat, um zweifelhafte Haiknorpel-Produkte mit Namen wie „Country Life“, „Now“ oder „Puritan‘s Pride“ herzustellen.
Tumoren im Hai-Knorpel
Um es unmissverständlich klarzustellen: Haie kriegen Krebs – zwar auffällig selten, aber dennoch signifikant. So konnten beispielsweise Forscher der Universität Hawaii bereits 2004 ganze 42 Fälle von Knorpelfisch-Tumoren in Datenbanken ausfindig machen. Zwölf davon waren bösartige Tumoren, die in den ganzen Körper gestreut hatten; zwei Haie hatten multiple Geschwüre, und sogar Tumoren im Hai-Knorpel waren mehrfach beschrieben.
Wie kam es also zu dem Mythos, dass Haie keinen Krebs bekommen – inklusive dem noch viel größeren Irrglauben, dass Haiknorpel auch Menschen vor Tumoren schützen könne? Es begann mit dem Blutgefäß-Forscher Judah Folkman. Er machte in den 1970er-Jahren die Beobachtung, dass Knorpel die Neubildung von Blutgefäßen, die Angiogenese, hemmt. Und da das Einwachsen neuer Gefäße absolute Voraussetzung für Bildung und Wachstum solider Tumoren ist, suchten Folkman und Co. nachfolgend nach Knorpel-Substanzen, die die Gefäßbildung hemmen. Denn, so der Umkehrschluss, wenn etwas die Neubildung von kapillaren Blutgefäßen blockiert, unterbindet es womöglich auch die Tumorbildung. Und tatsächlich: Als Folkmans Team Stücke von Kaninchenknorpel direkt neben Tumoren injizierte, hemmten diese die Bildung neuer Blutkapillaren – woraufhin die Tumoren wegen stockender Blutversorgung aufhörten zu wachsen.
Etwa zur gleichen Zeit fand ein Team aus Florida, dass das krebserregende Schimmelpilzgift Aflatoxin in Haien keine Tumorbildung auslöst. Woraufhin einige Schlauköpfe sofort folgerten, dass dies an dem vielen Knorpel im Hai liegen müsse – und der Idee verfielen, dass man sich durch Schlucken von Haiknorpel-Pulver vor Krebs schützen könne. Dutzende Firmen weltweit stiegen von da an mit ins Boot – und jagten Haie. Mit den oben erwähnten Resultaten. Allein im Jahr 1995 überschritt der weltweite Umsatz mit Haiknorpel-Produkten 23 Millionen Euro.
Bis heute hat jedoch keine seriöse Studie eine Wirksamkeit von Haiknorpel-Produkten gegen Krebs zeigen können. Zumal auch jegliche Plausibilität fehlt: Knorpel-Präparate werden im Magen komplett verdaut – mit der Folge, dass keinerlei Knorpelstoffe mit dem Blut zu den Tumoren gelangen können.





