Der überwiegende Teil der Rezepte gehört auch heute zur gutbürgerlichen Küche und dürfte in dieser oder abgewandelter Form noch weit verbreitet sein. Vereinzelt finden sich zwischen Klößen, Knödeln und allerlei Braten jedoch etwas exotischere Gerichte wie Karpfen in Gelee, Brotauflauf oder Hechtpudding. Es ist spannend zu sehen, von welchen Gerichten sich die deutsche Küche in den letzten 200 Jahren fortentwickelt hat und welche fast unverändert erhalten geblieben sind.
Die Kapitel sind eingerahmt von biographischen Informationen zu den Grimms, einem Küchenglossar und einer Auflistung der in dieser Zeit verwendeten Maßeinheiten. Als Zwischengänge werden ausgewählte Märchen aus der Erstausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ erzählt, in denen das Essen eine besondere Rolle spielt. Dass die Rezepte im originalen Sprachduktus belassen und nur durch Anmerkungen besser verständlich gemacht wurden, macht „Grimms Kochbuch“ nicht nur für Feinschmecker interessant: Neben einem Eindruck von verwendeten Gewürzen und Kochgeräten in bessergestellten Haushalten des Biedermeier geben die Herkunftsbeschreibungen der Rezepte Hinweise auf die Lebensstationen und den Freundeskreis der Grimms.
Wirken die Rezepte auch authentisch, so wurden die Zutatenlisten zum Nachkochen den heutigen Einkaufsmöglichkeiten angepasst. Sie nennen unter anderem Krebsfleischaus der Dose, Bio-Zitronen und Backpulver. Die modernen Rezepte dürften damit eher Interpretationen als akkurate Übersetzungen darstellen.
Rezension: Alexander Tullius





