Novel Food werden in der Europäischen Union solche neuartigen Lebensmittel genannt, die in unseren Breiten bislang üblicherweise nicht auf den Speisekarten beliebter Ausflugslokale oder Feinschmeckerrestaurants zu finden waren. Und Novel Food umfasst eben auch Insekten – zumindest ein paar. Denn von den rund 2000 als essbar bekannten Insektenarten sind längst nicht alle als Lebensmittel für den menschlichen Verzehr zugelassen.
Selbstverständlich bleibt es Ihnen überlassen, ob sie die Ernte auf dem Kühlergrill Ihres Autos abbürsten und Ihren Lieben als Gruß aus der Küche aufwarten oder alles heimlich allein schnabulieren. Aber kaufen und verkaufen dürfen Sie davon nur einen kleinen Teil: in der EU aktuell vier Arten. Biene Maja und Willi eher nicht, Flip dafür schon. Seit dem Jahr 2021 sind Mehlkäfer und Wanderheuschrecke erlaubt, 2022 und 2023 folgten dann auch noch Hausgrille und Buffalowurm. Trägt letzterer Hörner oder heißt er so, weil man ihn erstmals als Darmparasit bei Buffalo Bill nachgewiesen hat? Beides nein. Buffalo ist der Handelsname der Larven von Alphitobius diaperinus, wie sie wissenschaftlich genannt werden. Auf Englisch heißt der Buffalowurm auch Lesser Mealworm, also kleiner Mehlwurm oder Litter Beetle: Abfallkäfer. Das erinnert schon deutlich weniger an einen Gruß aus der Küche. Der deutsche Name lautet sogar Getreideschimmelkäfer, was fast noch schlimmer klingt.
Dazu muss man natürlich wissen, dass man erstens nicht den Käfer verzehrt, sondern lediglich die Larven. Und zweitens werden sie gefroren oder getrocknet angeboten, entweder als Paste oder Pulver. Also eher als Zutat, nicht als Hauptgang. Und niemand muss so etwas essen, wenn er nicht will. Denn nur, weil ein paar Insekten lebensmittelrechtlich zugelassen sind, darf man sie nicht einfach zum Strecken von Convenience Food hernehmen. Die Verwendung von Insektenpulver muss klar gekennzeichnet sein. Wie klar? Mit Passfoto des Schimmelkäfers, der drinnen ist? Unter klarer Kennzeichnung versteht man die Ausflaggung mit lateinischen und deutschen Namen, und es muss auch ersichtlich sein, in welcher Form die Larven enthalten sind. Ob als Pulver, Paste oder Fingerfood. Aus eben diesem Grund wurde vermutlich auch der Markenname Buffalo erfunden, denn Packungen, auf denen Schimmelkäfer ausgewiesen sind, bräuchte man sonst eventuell gar nicht ins Supermarktregal einordnen, sondern könnte sie gleich ungeöffnet für Dumpster-Diver in den Container legen.
Eiweiß im Anflug
Woher kommt auf einmal die europäische Begeisterung für Insekten als Nahrungsmittel? Schließlich hat es bisher auch nicht als kleine Zwischenmahlzeit gegolten, wenn einem beim Bergabfahren mit dem Fahrrad eine Mücke gegen das Gaumensegel gedonnert ist. Und Bremsen, die man bei der Gartenarbeit auf dem bloßen Oberschenkel erschlagen hat, bevor sie stechen konnten, hat man sich auch nicht als Nascherei für später eingesteckt. Insekten sind auf unseren Speiseplan geraten, weil sie sehr viel Protein enthalten. Und Protein, also Eiweiß, können wir gut gebrauchen. Immerhin bestehen wir zu einem erheblichen Teil daraus.





