Den Hauptteil seiner Darstellung zur Geschichte in Europa (nicht Europas, womit der Verzicht auf den totalen Zugriff einmal mehr unterstrichen wird) 1200 bis 1500 hat er in drei „Knoten“ und Blickachsen gegliedert, jeweils einem der drei behandelten Jahrhunderte zugeordnet. Gerahmt wird dieser Darstellungskern durch zwei Kapitel, die Europa um 1200 bzw. um 1500 beleuchten, also den Anfang und das Ende des letztlich künstlich geschnittenen Zeitraums charakterisieren.
Im ersten Kapitel verdeutlicht Schneidmüller zur Vermeidung von Missverständnissen, dass das Wort Europa im Mittelalter noch keine Geschichte machte. Klar leuchtet er die geographischen Dimensionen aus, zeigt auf, wie selten Europa als patria begriffen wurde, und bietet in der „Zeitaufnahme“ eine dichte Beschreibung von Phänomenen wie der dynamischen Entwicklung der Ständegesellschaft oder des Universalanspruchs von Kaiser und Papst.
Im Hauptteil zeichnet Schneidmüller „Grenzerfahrung“ von außen, von Osten, von Asien her nach, die die Menschen Europas irritierten oder sogar existentiell betrafen, wie der Mongolensturm, die Pest und die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen. Es sind Erschütterungen der Welt, mit denen jeweils Bemühungen um Ordnung der Herrschaft, der Gemeinschaft und des Wissens kontrastiert werden. Zuletzt geht Schneidmüller Gegenbewegungen nach, den Aufbrüchen aus Europa, bevor er Europa um 1500 charakterisiert. Ein glänzend geschriebenes, große Linien wie anschauliche Details gekonnt mitein‧ander verbindendes Werk!
Rezension: Prof. Dr. Thomas Zotz




