Anhand ausgegrabener Funde sowie neuester Forschungsergebnisse der Archäobotanik gewährt das Werk „Grenzenlose Gaumenfreuden“, herausgegeben von Jutta Meurers-Balke und Tünde Kaszab-Olschewski, Einblicke in die damalige Provinzialküche. Zahlreiche Mitautoren in diesem Band widmen sich der Frage, wie die Küche im antiken Köln ausgesehen haben könnte. Dabei zeichnen die Autoren am Beispiel der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) und dem Umland die kulinarische Romanisierung, die „kulinarische Akkulturation“, durch die allmähliche Verfeinerung und Vermischung der Speisegewohnheiten nach – vom Anbau bis zum Gelage. Die Grenzen zwischen lokalen und mediterranen Essgewohnheiten verschwammen, und die Speisen verschmolzen zu einer im wahrsten Sinne des Wortes „grenzenlosen Gaumenfreude“.
Das Buch beginnt mit einer Einführung, in der die Quellen zur Erforschung der Essgewohnheiten – von Abfallgruben bis Grabsteine – erläutert werden. Daraufhin stehen Orte des Essens und die Art der Nahrungsaufnahme im Mittelpunkt. So werden Einblicke in das Mobiliar eines typischen Speisesaals gegeben, die Ausstattung der Küche inklusive Kochgeschirr geschildert und Formen der Lagerung und Vorratshaltung beleuchtet. Im Zentrum aber stehen die Lebensmittel. Hier reicht der Bogen von Getreide über Früchte, Gemüse und Getränken bis zu Fleisch- und Fischsorten. Das Buch macht deutlich, wie effektiv die Logistik im Römischen Imperium war. So ist die Versorgung Kölns mit frischem Meeresfisch eine der kleineren Leistungen römischer Versorgungstechnik. Neben der detaillierten Beschreibung der Lebensmittel sind Zubereitungshinweise und Kochrezepte beigefügt, die einen Einblick in das Handwerk römischer Köche bieten und zum Nachkochen animieren. Ein recht ausführlicher Teil beschäftigt sich mit den Gewürzen der römischen Küche, die als „pfeffersüchtig“ galt, ehe das Werk mit einer Reflexion über das kulinarische Nachwirken der römischen Zeit endet. Bene sapiat!
Rezension: Philipp Pilson




